Eine Monarchie für Deutschland?

Der Besuch der britischen Königin und die königlichen Hochzeiten des Jahres 2004 belegen ein großes Interesse an der Monarchie. Ja, auch in Deutschland sollten wir uns zur konstitutionellen, parlamentarisch-demokratischen Monarchie bekennen. Sie spricht die Herzen und Seelen der Menschen an. Die Monarchie ist überparteilich, einigendes Symbol für alle, für jeden einzelnen in der Bevölkerung. Die Monarchie alleine verbindet die Generationen und stärkt die Familie. Eine Monarchie bewahrt unser aller Erbe für künftige Generationen. Die Monarchie stiftet Identität, gerade auch in dem zusammenwachsenden Europa. Die Monarchie steht für Kontinuität, Stabilität und Gerechtigkeit. Die Verbindung der Vorteile der Demokratie mit denen der Monarchie ist die ideale, zukunftsweisende und menschliche Staatsform. Das häufigste Argument gegen eine Monarchie lautet immer wieder: Das sei zu teuer, nicht mehr zeitgemäß und undemokratisch. Alle drei Punkte sind nicht richtig: Die britische Monarchie kostet den britischen Steuerzahler gerade mal soviel im Jahr wie ein Liter Milch. Ihr Wirkungsgrad ist deutlich höher als der des Bundespräsidenten, nicht nur im Tourismus sondern gerade auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet. Die Queen selbst zahlt freiwillig Steuern, und zwar 170 Millionen Pfund im Jahr. Dadurch alleine bringt sie dem Staat weit mehr Geld, als das Königshaus kostet. Viele unserer Nachbarn leben glücklich in einer Monarchie, also ist sie zeitgemäß. Die Zufriedenheit der Menschen ist der Grad, an dem sich ein Staat messen lassen muß. Einer UN-Studie zufolge sind die fünf Staaten mit dem höchsten Zufriedenheitsgrad seiner Bürger allesamt Monarchien, und keiner will behaupten, daß die europäischen Nachbarmonarchien nicht demokratisch seien. Die britische ist sogar die älteste Demokratie in Europa. Knut Wissenbach ist Vorsitzender des Vereins „Tradition und Leben“ e.V. in Kelkheim. Denken wir heute an die Monarchie, denken wir meist an Großbritannien. Die Königin hat nichts zu entscheiden, sondern nur das Recht, unterrichtet zu werden und zu warnen. Das macht sie zu einem integrativen Faktor mit moralischer Kompetenz, die der Prince of Wales mehr und mehr verspielt. Allerdings ist er damit in guter Gesellschaft, denn sein Ahne Georg IV. (1820-1830) hatte eine aufsehenerregende Scheidung hinter sich, einer seiner Brüder wurde als Generalgouverneur nach Kanada abgeschoben, weit weg von London und Europa, damit der Untertan seine Eskapaden nicht mitbekam. Andere Mitglieder des Königshauses waren um nichts besser. Eine völlig andere Qualität hat dies, wenn der Monarch nicht bloß „Symbol des Staates und der Einheit“ ist, wie es in der japanischen Verfassung heißt, sondern mit Macht ausgestattet ist. Was soll man von einem lippischen Fürsten halten, der mitten im Ersten Weltkrieg, während seine Landeskinder an der Front fallen, Prozesse führt und diplomatische Vorstöße macht, um endlich das Prädikat „Hochfürstliche Durchlaucht“ zugebilligt zu bekommen? Was soll man von einem Kaiser halten, dessen Regierung nicht vom Reichstag abhängt und der das „persönliche Regiment“ proklamiert, der markig als „Oberster Kriegsherr“ figuriert, zur Wahrnehmung der selbstgestellten Aufgaben aber unfähig ist? Das ist nicht amüsant, das ist gefährlich. Vorbild sein zu wollen und es dann nicht zu sein, Millionen Tote zu verantworten und dann den Hofzug in die Niederlande zu besteigen. So sahen es die Deutschen 1918 und danach: Inkompetenz und vor allem der damit verbundene rapide Vertrauensverlust. Das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit kostete die Hohenzollern den Thron und diskreditierte nachhaltig eine Herrschaftsform, die dergleichen zuließ. Dr. Harald Lönnecker ist Leiter des Archivs der Deutschen Burschenschaft in Koblenz.

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