Superwahljahr

 

Ab sofort wird geholzt

Sein Markenzeichen ist der rote Pullover – und was er sagt ließ nie Zweifel an seiner Gesinnung zu: Ludwig Stiegler war in der SPD schon immer der linke Flügelmann. Nun versucht er die Union mit den Nazis gleichzusetzen. „Sozial ist, was Arbeit schafft“ aus dem Wahlprogramm der Union stellt er auf eine Stufe mit „Arbeit macht frei“, was die braunen Despoten über KZ-Eingangstore gesetzt hatten. Das gibt Ton und Richtung vor, unter denen die vereinte Linke den Wahlkampf gegen ihren politischen Hauptgegner stellen wird. Das hatten wir schon mal. Als sich die SPD unter Willy Brandt 1972 in die Enge getrieben sah, hatte der damalige SPD-Chef die Parole ausgegeben: „Jetzt wird geholzt!“ Was hieß, auf Argumente und Sachauseinandersetzung kommt es nicht mehr an, Draufhauen ist angesagt. Damals mit dem Generalverdikt „Kalter Krieger“ für alle, die Brandts Ostpolitik nicht blind bejubelten. Jetzt also sogar mit Vergleichen, die im Falle Martin Hohmann – und dies gerichtsnotorisch völlig verlogen – einem frei und direkt gewählten Abgeordneten das politische Rückgrat gebrochen hatten. Doch wir werden’s erleben: Was im Falle dieses CDU-Konservativen von der politisch korrekten Öffentlichkeit trotz Freisprüchen als Erbsünde Bestand hat, wird Stiegler nicht zum Verhängnis gereichen. So weit sind wir in Deutschland inzwischen: Es zählt schon nicht mehr was einer sagt, sondern wer es sagt und welcher Richtung er angehört. Fritz Schenk war bis 1988 Leiter des ZDF-Magazins, danach bis 1993 Chef vom Dienst der Chefredaktion des ZDF.

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