Spielball fremder Mächte

Britische Truppen bleiben in Deutschland. Das ist die gute Nachricht – zumindest für Bürgermeister ihrer Standorte, die weiterhin hoffen dürfen, daß dort einige Arbeitsplätze für deutsches Hilfspersonal erhalten bleiben. Die schlechte Nachricht ist, daß die USA die Hälfte ihrer noch in Deutschland stationierten 71.000 Soldaten abziehen wollen – mit entsprechenden negativen Folgen für die Wirtschaft der Standorte. Abgesehen davon: Hat das etwas für die Sicherheit Deutschlands zu bedeuten? Muß man 60 Jahre nach Kriegsende und 15 Jahre nach der Wiedervereinigung trauern, weil die Mächte, die Deutschland erobert und besetzt haben, abziehen? Müßte man den Vorgang nicht als längst fällige Normalisierung werten? Die Antwort fällt schwer, weil Deutschland nicht weiß, was sein sicherheitspolitisches Interesse ist. Die Nato, in der es eine der tragenden Säulen ist, hat ihren Gegner Sowjetunion verloren. Deutsche Soldaten werden in Afghanistan, am Horn von Afrika und vielleicht doch noch im Irak eingesetzt. Die Wehrpflicht wird schrittweise abgeschafft. Den Berufssoldaten will der Verteidigungsminister einreden, sie hätten die Aufgabe, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen. In Wahrheit ähneln sie mehr einer Verfügungstruppe, die von Fall zu Fall nach außenpolitischen Pressionen zum Einsatz kommt. So lange die Bundesrepublik unfähig ist, ihre Interessen zu definieren und danach zu handeln, bleibt sie ein Spielball der militärischen Entscheidungen anderer Mächte.

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