Polen ist gefordert

Gerhard Schröder hat in seiner Rede anläßlich des sechzigsten Jahrestages des Warschauer Aufstandes erneut in Form eines Feuerwerkes von Superlativen auf die „deutsche Schande“ und „deutsche Schuld“ hingewiesen, um damit um Anerkennung beim polnischen Nachbarn zu buhlen. Diese wird sich jedoch – über die unmittelbar erfolgten Höflichkeitsfloskeln hinaus – ebensowenig einstellen wie eine in seiner Rede trotzig festgestellte „deutsch-polnische Freundschaft“ analog dem Erfolgsmodell zwischen Berlin und Paris. Wenn polnische Politiker und Medien in aufwallend nationalistischen und chauvinistischen Tönen den Brunnenvergifter dieser Freundschaft in der Preußischen Treuhand oder in Erika Steinbach und ihrem Bund der Vertriebenen suchen, steckt dahinter nicht die Furcht vor einer juristisch völlig offenen Klage einer kleinen Interessenvertretung von höchstens 30.000 Fällen für die verlorenen Ostprovinzen oder gar vor einem in Berlin zu bauenden Zentrum gegen Vertreibung. Vielmehr rufen diese „Gespenster aus der Vergangenheit“ (Rzeczpospolita) in Polen ein lange nagendes, kollektives „schlechtes Gewissen“ wach, verursacht durch eine bis heute versäumte Aufarbeitung eines historischen Unrechts – nämlich der Vertreibung der Deutschen aus mehr als einem Drittel des eigenen heutigen Territoriums. Dieser schmerzliche Weg steht jenseits von Oder und Neiße noch bevor – die Polen werden ihn allein gehen müssen. Danach werden auch Anbiederungen deutscher Kanzler beim Beschwören der Freundschaft verzichtbar sein.

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