Joachim Kuhs

 

Förderung für Windenergie zurückfahren? / Peter Ahmels

Auch auf der Ostsee werden sogenannte „Offshore-Windkraftanlagen“ geplant. Das hat dazu geführt, daß sich auf Betreiben des regionalen Tourimusverbandes Fischland-Darß-Zingst eine landesweite Initiative gegründet hat, die bis nach Schleswig-Holstein reicht. Wir stellen mit diesen Projekten die Punkte in Frage, die das Land Mecklenburg-Vorpommern ausmachen: Natur und Umwelt. Damit werben wir, und es wäre kontraproduktiv, die Ostseeküste mit Industrieanlagen zuzubauen – wie zum Beispiel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Das geplante Projekt liegt innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone und damit in der Zuständigkeit des Landes. Es hat Voruntersuchungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben, das Raumordnungsverfahren soll demnächst begonnen werden. Man hat seitens der Landesregierung schon eine Entscheidung vorweggenommen, indem von der Realisierung ausgegangen wird. Wir betrachten dies kritisch und denken über eine Klage nach, sofern es zu Verfahrensfehlern kommt. Es ist ein Irrglaube, zu meinen, daß man Rotoren mit einem Durchmesser von 150 Metern vom Ufer nicht erkennen kann. Doch es gibt noch andere Befürchtungen neben dem eventuell verstellten Blick auf den Sonnenuntergang: Es ist insbesondere in der Ostsee eine Frage der Schiffssicherheit. Die Kadet-Rinne, eine der unsichersten Schiffahrtsstraßen, liegt in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Windparks. Es hat erfreulicherweise Maßnahmen zu Verbesserung der Sicherheit gegeben. Welche Auswirkungen jedoch realisierte Projekte haben, ist noch völlig offen. Was auch gesehen werden muß: Wir leben in der Vor- und Nachsaison sehr stark davon, daß wir mit den Kranichen werben. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der „unvernutzten Natur“. Inwieweit Kraniche sich mit Windkraftanlagen verstehen, ist auch fragwürdig. Mathias Lötge ist Vorsitzender des Tourismusverbandes Fischland-Darß-Zingst und CDU-Bürgermeister von Barth. Die Förderung der Windkraftanlagen wird nach den Vorgaben des neuen EEG bereits zurückgeschraubt. Jedes Jahr werden die Vergütungen um zwei Prozent gesenkt. Im Gegensatz zu den auf Land vorhandenen Anlagen werden Kraftwerke auf See (Offshore-Windanlagen) erhöht gefördert. Die technischen Vorgaben der letzten Novellierungen des EEG ließen sich nicht erfüllen, und so war eine Anpassung nötig. Wenn eine Technologie sich auf einem völlig neuen Feld bewähren muß, sollte man auch ein höheres Risiko einkalkulieren. Bei Offshore-Anlagen sehe ich die Sachlage entspannt. Auch bei den Windrädern an Land hat sich am Anfang heftiger Widerstand geregt. Das ging von der Beeinträchtigung des Vogelzuges bis zum Schlagschatten. Das hat sich durch eine vernünftige Planung und auch durch bessere Erkenntnis der Umstände erheblich gebessert. Ich gehe davon aus, daß es auch auf See so sein wird. Die ersten Erfahrungen, die mit dänischen Offshore-Parks gemacht worden sind, sind sehr positiv, was die Nichtbeeinträchtigung des Vogelzuges und der Lebewesen im Meer angeht. Da bin ich optimistisch und sage, daß das, was im Moment noch an Befürchtungen besteht, sich wirklich im laufenden Betrieb als nicht haltbar erweisen wird. In Fragen Sicherheit des Schiffsverkehrs traue ich schon dem Germanischen Lloyd so viel Kompetenz zu, daß sie da eine sehr wohlbedachte Risikoanalyse machen können und das Gefährdungspotential durch vom Kurs abgekommene Schiffe so gering wie möglich halten. Der Aspekt der Landschafts- oder Horizontveränderung ist ein durchaus stark diskutierter Punkt. Dort muß man die Verhältnisse im Auge behalten: Ein Windpark, der sich dreißig Kilometer vom Betrachter entfernt auf dem Meer befindet, ist ein Punkt, der nur bei sehr guter Sicht und Sonnenschein wahrzunehmen ist. Ich sehe die Gefahren, die wir durch mangelnde Kohlendioxideinsparung am Ende beim Klima verursachen, als viel größer an. Dr. Peter Ahmels ist Präsident des Bundesverbandes Wind Energie e. V. (BWE).

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