Ein neuer Gottesstaat

Vigilant Resolve“ – unter dem Decknamen „Wachsame Entschlossenheit“ wurde letzte Woche im Irak blutige Vergeltung für die Tötung und Schändung von vier US-Bürgern geübt. Ihrem grausamen Tod gingen zahlreiche Maßnahmen der US-Besatzer voraus, die insbesondere den Zorn der Schiiten im Irak weckten. So ließ US-Zivilverwalter Paul Bremer mit Militärgewalt die Wochenzeitung Al Hawza schließen, das Sprachrohr des Schiitenführers Muqtada al Sadr. Dann folgte die Verhaftung eines Mitarbeiters von al Sadr. Schließlich folgte die Drohung, diesen selbst zu verhaften – und zwar „lebendig oder tot“. Der US-Rigorismus erfolgt mit Blick auf den 30. Juni – an diesem Tag soll die Macht an eine irakische Übergangsregierung abgetreten werden. Bis dahin möchte Washington den Irak „stabilisiert“ wissen. In der US-Propagandalyrik wird dieser Tag als „Übertragung der Souveränität“ gefeiert. Schon heute ist aber klar, daß die Macht in den Händen der US-Armee und der US-Botschaft bleiben wird, die über mehr als 4.000 Mitarbeiter verfügen soll. Die US-Vergeltungsmaßnahmen haben die Lage drastisch verschärft. Trotz der vielen Menschenleben, die die Unruhen im Irak kosten, glaubt die US-Regierung, auf dem richtigen Weg zu sein. Ein Ausweichen vor der Auseinandersetzung mit den irakischen Extremisten würde nur noch mehr Ärger verursachen, findet die Washington Post, Sprachrohr der Bush-Regierung. Aber diese Marschroute wird zur weiteren Eskalation führen – am Ende könnte ein neuer Gottesstaat am Golf entstehen.

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