Rasenpflege statt Knast

„Arbeit statt Gefängnis“ heißt die neueste Idee aus dem Bundesjustizministerium. Ministerin Brigitte Zypries (SPD) will Straftäter zur „gemeinnützigen Arbeit“ heranziehen. „Der Täter leistet damit einen Dienst an der Gesellschaft“, so Zypries – fast klingt es so, als spreche sie über Wehr- oder Zivildienstleistende. Hintergrund dieser Idee sind allerdings keinesfalls neue Konzepte zur Kriminalitätsbekämpfung, sondern überfüllte Gefängnisse. Von 60.800 Häftlingen verbüßen ungefähr 5.300 Haftstrafen unter drei Monaten, so das Ministerium. Dies entspricht etwa 8,7 Prozent aller Inhaftierten. Zypries möchte also demnächst Häftlinge zum Rasenmähen auf Kreisverkehrsinseln, Laubrechen auf Mittelstreifen und Heckenschneiden vor Behörden schicken. Andere, aussagekräftigere Zahlen verschweigt Zypries lieber. Beispielsweise die Tatsache, daß etwa 22 Prozent aller Strafgefangenen in deutschen Gefängnissen Ausländer sind. Erst im Mai dieses Jahres forderte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), daß die ausländischen Straftäter ihre Haftstrafen in deren Heimatländern verbüßen sollen. Dadurch wären nicht nur Gefängnisse, sondern auch die Finanzen erheblich entlastet. Der BDK erwartet Einsparungen von jährlich über 400 Millionen Euro. Seitens des Justizministeriums schweigt man lieber zu solchen Fakten – zu brisant scheinen die Konsequenzen. Statt dessen sehen wir wohl in Zukunft vermehrt Ladendiebe und Kleinkriminelle beim Rasendüngen.

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