Linguistische Gefechte

Kurz vor dem Einmarsch in den Irak hatten die Amerikaner gegen die Franzosen die erste kalte Schlacht am heißen Buffet gewonnen. Die US-Abgeordneten hatten beschlossen, in ihren Kantinen die Pommes von „Franzosenfritten“ („French Fries“) in „Freiheitsfritten“ („Freedom Fries“) umzubenennen. Jetzt holen deutsche Sprachwissenschaftler in deutsch-französischer Solidarität zum Vergeltungsschlag gegen die amerikanischen Pommesstellungen aus: Als Zeichen gegen den „unmoralischen“ amerikanischen „Imperialismus“ rufen sie dazu auf, „anstelle der englischen wieder vermehrt französische Lehnwörter zu verwenden“, zum Ticket wieder Billett zu sagen. Angeblich hätten Anglizismen die Gallizismen verdrängt. In Wirklichkeit verlief die Sprachgeschichte anders. Ende des 19. Jahrhunderts wurden deutsche Bezeichnungen sprachpolitisch gefördert. So wurde aus dem Billett die Fahrkarte. Erst vor wenigen Jahren kam das Ticket auf. In diesem Wort wird die Sprachverflachung besonders deutlich: Es kann Fahrkarte, Eintrittskarte, Strafzettel und vieles mehr bedeuten. Gegen Versuche, die Sprache politisch zu instrumentalisieren, muß sich das Sprachvolk verwahren. Das oberste Gebot kann immer nur die Verständlichkeit sein. Muttersprachliche Ausdrücke lassen sich weniger leicht mißbrauchen und sind am verständlichsten. Neues sprachliches Selbstbewußtsein ja, aber bitte nicht vom Regen in die Traufe. Thomas Paulwitz ist Schriftleiter der „Deutschen Sprachwelt“

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