Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Grober Undank

Was hat sich US-Präsident George W. Bush doch für Mühe gegeben mit seinem „strategischen Partner“ Türkei: Massiv drängt er die widerwillige EU zur Aufnahme von Abermillionen islamischer Anatolen – quasi als „Frischzellenkur“ für das „alte Europa“ und als Infrastrukturprogramm für die unterentwickelte Türkei. 30 Milliarden Dollar stellte Washington den Türken als Finanzhilfe in Aussicht, wenn sich Ankara bereit erklärt, 62.000 US-Soldaten an der Nordgrenze des Irak zu stationieren und so den Aufbau einer zweiten Front im Kampf gegen Saddam Hussein zu ermöglichen. Die türkische Regierung war einverstanden. Und was macht das Parlament? 264 Ja-, 250 Nein-Stimmen bei 19 Enthaltungen. Damit wurde die in der Verfassung vorgeschriebene einfache Mehrheit aller abgegebenen Stimmen knapp verfehlt. Folge: Ein logistischer Alptraum für das US-Militär. Derweil jubelt das türkische Volk, 94 Prozent sind gegen den Irak-Krieg. „Die Abgeordneten haben das Land von dem Image befreit, man könne von der Türkei gegen Geld alles bekommen. Auch Washington hat nun begriffen, daß die Türkei keine Bananenrepublik ist“, kommentiert die türkische Zeitung Milliyet. George W. Bush, der mit weniger Stimmen als sein Kontrahent zum US-Präsidenten gewählt wurde, kann nicht verstehen, daß die Parlamentsabstimmung in Ankara seine Aufmarschpläne über den Haufen werfen soll. Da kämpft er weltweit für die Demokratie – und ausgerechnet die Türken verweigern sich. Wenn das nicht nach einer US-Lektion schreit!?

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