Geistiger Krüppel

So einfach ist das im schönen neuen Vernunftstaat: Kinder, die man nicht will, werden umgebracht, möglichst vor der Geburt. Bei Todkranken, deren Leben nicht mehr lebenswert ist, wird der Apparat ausgeschaltet. Alte, für die es sich nicht mehr lohnt, kriegen keine teure medizinische Versorgung. Und wer keine Lust mehr hat, läßt sich zu „Soylent Green“ verarbeiten, damit die anderen was zu essen haben – doch halt: das war Science Fiction. „2022 … die überleben wollen“. Gedreht vor drei Jahrzehnten. Treffende Zukunftsvisionen erkennt man daran, daß die Wirklichkeit sie langsam einholt. Heute plaudert man völlig emotionslos über Ansichten, die vor kurzem noch einhellige Abscheu provoziert hätten. „Ich halte nichts davon, wenn 85jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Allgemeinheit bekommen. Das ist eine reine Frage der Lebensqualität. … Es ist doch nun mal so: Früher sind die Leute auch auf Krücken gelaufen“, sagte Philipp Mißfelder, Bundesvorsitzender der Jungen Union, dem Berliner Tagesspiegel. Den „solidarischen Beitrag“ seien die Alten seiner Generation ja zwar schuldig. Und der 23jährige Student genießt es offensichtlich, daß jeder Flachkopf von den Medien nach oben geschrieben wird, wenn er nur in der Union den Linksabweichler oder modischen Extrem-Egoisten gibt. Da gehen dann auch zynische Sprüche auf Kosten der Alten in Ordnung, wenn’s denn der Karriere dient. Sind wir schon im „Jahr 2022“? Wir nähern uns. Die CDU-Kaderreserve hilft kräftig mit. Es graust einem vor solchen geistesrohen, gesinnungslosen Rationalisten.

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