Gefallen für wen?

Der Ernstfall ist eingetreten. Diesmal liegen in den Zinksärgen keine Verunglückten, erstmals muß Nachkriegsdeutschland Gefallene betrauern: Vier Bundeswehrsoldaten der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf starben, als bei Kabul ein Selbstmordattentäter sein mit Sprengstoff beladenes Taxi neben einem Bundeswehrbus in die Luft jagte. 29 Deutsche wurden teilweise schwer verletzt. Seit Monaten warnen Geheimdienstexperten eindringlich vor der steigenden Gefahr terroristischer Anschläge. Wie sind die Reaktionen in Deutschland? Der Bundeswehrverband fordert, die deutschen Kräfte in Kabul entweder zu verstärken oder sich ganz aus Afghanistan zurückzuziehen. Verteidigungsminister Peter Struck zeigt sich zwar betroffen, erwägt aber dennoch die Ausweitung des deutschen Isaf-Mandats über Kabul hinaus. Ein Abzug komme keinesfalls in Frage. Ironie der Geschichte: Die Beschaffung der eigens für diesen Einsatz bestellten „Allschutztransportfahrzeuge Dingo 2“, die acht Soldaten unter Panzerschutz befördern können, wurde auf das Jahr 2009 verschoben. Statt dessen müssen deutsche Soldaten mit ungepanzerten Fahrzeugen durch gefährdete Regionen fahren. Struck begründet dies damit, die Bundeswehr wolle bewußt nicht martialisch auftreten, um als Friedenstruppe das Vertrauen der Bevölkerung zu erwerben. Die politische Führung der Bundeswehr muß aufpassen, daß sie nicht das Vertrauen ihrer Soldaten verliert. Daß Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt werden muß, bezweifeln immer mehr.

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