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Dunkelfelder

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) spart bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2002 (PKS) nicht mit Eigenlob. So spricht er von einer „zielbewußten Strafverfolgung“ und einem „hohen Sicherheitsniveau“. Der Anstieg der registrierten Delikte gegenüber dem Vorjahr sei „primär ein statistischer Effekt“. Fast klingt es wie Opferverhöhnung, wenn Schily „erfreulicherweise“ über einen deutlichen Rückgang in „wichtigen Deliktbereichen“ wie Wohnungseinbrüche und Kfz-Diebstähle berichtet – die um vier Prozent angestiegene Gewaltkriminalität und der fast zehnprozentige Anstieg der Sexualdelikte zählen für Schily offenbar zu den weniger wichtigen Delikten. Das tatsächliche Ausmaß der Kriminalität kann indes nur vermutet werden. Die Gewerkschaft der Polizei schätzt, daß nur jede zehnte Straftat in die PKS eingeht. So entsteht ein gigantisches Dunkelfeld an nicht verfolgten Delikten – die Opfer haben entweder Angst vor der Erinnerung an die Tat, oder sie haben das Vertrauen in die Exekutive bereits verloren. Unterdessen wird der Staat als Inhaber des Gewaltmonopols von der Organisierten Kriminalität verlacht und verhöhnt. Will er weiterhin ernst genommen werden, muß er sich seine Autorität erst wieder erkämpfen. Die Opposition fordert zu Recht „politische Konsequenzen“ aus dem alarmierenden Zahlenwerk. Es ist die Rede von mehr Opferschutz, von der verstärkten Ahndung von Graffiti-Schmierereien und von DNA-Analysen. Alles nicht verkehrt. Aber eben nicht genug.

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