BERLIN. Der Hacker-Angriff auf Rechner des Bundestages ist offensichtlich schwerwiegender als zunächst angenommen. Womöglich muß die komplette IT-Infrastruktur des Parlamentes ausgetauscht werden, berichtet Spiegel-Online. „Wir gehen im Moment davon aus, daß mindestens Teile des Bundestagsnetzwerkes neu aufgebaut werden müssen“, vermutete die parlamentarische Grünen-Geschäftsführerin Steffi Lemke.
Die Attacke sei ein „hochkarätiger Angriff von geheimdienstlicher Qualität“, bestätigte Lempkes Parteifreund, der netzpolitische Sprecher Konstantin von Notz, dem RBB. Hieß es zunächst, die vor einem Monat entdeckten Trojaner seien durch ein Software-Update zu beseitigen, gestaltet sich ihre Bekämpfung als schwierig. Im schlimmsten Fall müssen alle 20.000 Rechner ausgewechselt werden. Damit kämen auf den Steuerzahler Kosten in Höhe von einem zweistelligen Millionenbetrag zu.
Unklarheit über die Täter
Über die Täter herrscht weiterhin Unklarheit. Spiegel-Online gibt Sicherheitsexperten wieder, die Anhaltspunkte für einen Angriff aus dem Umfeld des russischen Auslandsnachrichtendienst SWR sehen. Von Notz warnte allerdings vor voreiligen Schlußfolgerungen: „Sie können in der digitalen Welt die Spuren eines solchen Angriffs maximal verwischen. Wenn Sie in irgendeinen Quellcode drei chinesische Schriftzeichen reinsetzen, dann ist das eben gerade kein Beweis dafür, daß das nun aus China kommt.“
Deutschland ist international ein beliebtes Spionageziel. Sogar das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll mindestens einmal vom amerikanischen Nachrichtengeheimdienst NSA abgehört worden sein, wie aus Materialien des NSA-Überläufers Edward Snowden hervorgeht. (FA)