BERLIN. Der frühere Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat die Migration als Grund für den hohen Anteil an Schülern genannt, die nicht die Mindeststandards im Fach Mathematik erreichen. „Diese Schüler verstehen Mathe-Textaufgaben oft sprachlich nicht“, sagte er gegenüber dem Münchner Merkur am Dienstag. Dass etwa in Bremen knapp 35 Prozent der Neuntklässler nicht den Mindeststandard in Mathematik erreichen, nannte Kraus ein „Mathematik-Desaster“.
Weiter seien in vielen Bundesländern die Anforderungen an die Schüler gesunken. In Niedersachsen solle etwa das schriftliche Dividieren in der Grundschule gestrichen werden. Zudem ersetze die Künstliche Intelligenz das Kopfrechnen. Der frühere Lehrerpräsident beobachte eine „Neigung von immer mehr Schülern, Rechenaufgaben mittels KI lösen zu lassen“.

Bereits in der Vergangenheit wies Kraus gegenüber der Zeitung darauf hin, dass der steigende Abidurchschnitt in Deutschland trüge. „Die Noten werden immer besser, aber man kann nicht sagen, dass die heutige Jugend immer schlauer wird.“ Es sei offensichtlich, dass die Ansprüche heruntergefahren worden seien. „Und wenn die Ansprüche heruntergefahren und die Bewertungskriterien liberaler werden, kommt eben ein besseres Ergebnis heraus.“ In bestimmten Fächern werde „auf immer mehr Inhalte verzichtet“, etwa auf Pflichtlektüren im Fach Deutsch.
Mathematik-Standards werden laut Bildungsbericht immer seltener erreicht
Kraus bezog sich auf den neuen Bildungsbericht 2026, dessen Hauptverantwortlicher das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation ist. Darin werden die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2024 präsentiert, aus dem hervorgeht, dass 23,6 Prozent der Schüler in Deutschland, die mindestens den Mittleren Schulabschluss anstreben, den Mindeststandard im Fach Mathematik für diesen Abschluss nicht erreichen.
Am höchsten lag der Anteil mit 34,1 Prozent in Bremen, gefolgt von Berlin mit 30,6 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 30,2 Prozent. Am geringsten lag der Anteil wiederum in Bayern mit zwölf Prozent, gefolgt von Schleswig-Holstein und Sachsen mit jeweils 14,7 Prozent.

2018 erreichten bundesweit nur 14,5 Prozent der Neuntklässler nicht die Mindeststandards. Mit 24,6 Prozent wiesen in Berlin die meisten Schüler mangelnde Kompetenzen auf, mit 6,3 Prozent die wenigsten in Bayern. „Im Vergleich zu 2012 ist der Anteil in allen Ländern mit Ausnahme von Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein signifikant gestiegen“, heißt es im aktuellen Bericht. (mas)





