BERLIN. Seit Donnerstag verschwinden die Bücher der Bibliothek des Konservatismus (BdK) aus den Online-Verzeichnissen des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV). „Auch unser Katalog ist dort nicht mehr zugänglich“, sagte BdK-Leiter Wolfgang Fenske am Freitagmorgen der JUNGEN FREIHEIT.
Damit hat der GBV die mutmaßlich politisch motivierte Kündigung des Service-Vertrages mit der BdK umgesetzt, ohne die darüber laufende rechtliche Auseinandersetzung abzuwarten.
Die Bibliothek des Konservatismus klagt beim Landgericht Göttingen nicht nur gegen die Kündigung, sondern hat dort auch einstweiligen Rechtsschutz beantragt. „Das war bereits Anfang Dezember, bisher wurde über den Antrag noch nicht entschieden“, so Fenske, der auch den „massiven Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit“ kritisiert.
Mit dem Löschen werden die Bücher unauffindbar
Mit dem Löschen der Titel werden die Bücher der Bibliothek für Wissenschaftler, Studenten und Interessierte unsichtbar. Sie können den tausende Bücher umfassenden Bestand der BdK in den Suchmaschinen anderer Bibliotheken nicht mehr finden – darunter sind auch zahlreiche Werke, die nur in der Einrichtung in der Berliner Fasanenstraße vorhanden sind.
Daß der GBV damit beginnt, ohne den Ausgang der juristischen Auseinandersetzung abzuwarten, bezeichnete Fenske als „mutig, ja geradezu leichtsinnig“. Denn die BdK werde Schadensersatz verlangen, sollte sie das Verfahren gewinnen: „Und das hat unser Rechtsanwalt dem GBV vorab auch mitgeteilt“, sagte der Bibliotheksleiter der JF.
Der Ausschluß der BdK aus dem GBV der norddeutschen Bundesländer hatte bereits Ende vergangenen Jahres, als er bekannt wurde, für deutliche Kritik, gesorgt. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit hatte in einem Brief, den hunderte zum Teil prominente Forscher unterzeichnet hatten, dem GBV „einen schwerwiegenden Eingriff in die Wissenschaftsinfrastruktur und mithin die Wissenschaftsfreiheit“ vorgeworfen (die JF berichtete).
Kritik von Journalisten
Auch bei Journalisten stieß der Schritt auf heftige Ablehnung. Die Zeit-Redakteurin Mariam Lau bezeichnete die Bibliothek bei X als „unverzichtbaren Recherche- und Vortragsort“, dessen Existenz nun gefährdet sei, und fragte: „Warum???“ Welt-Herausgeber Ulf Poschardt kritisierte, „die Kulturlinken“ würden „auf ihren Rückzugsgefechten noch möglichst viel zerstören“. Die BdK drohe „im Orkus“ zu verschwinden. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb von einem Angriff auf die „Grundpfeiler der freien Wissensgesellschaft“. Die Vermutung liege nahe, daß es für den Ausschluß politische Beweggründe gebe (die JF berichtete).

Die JUNGE FREIHEIT hat, wie berichtet, in dieser Woche eine Klage gegen den GBV auf Auskunfterteilung gewonnen. Das Verwaltungsgericht Göttingen verpflichtete den Bibliotheksverbund in einem Eilverfahren dazu, mehrere Presseanfragen unserer Zeitung zu beantworten. (fh)





