Berlin lag im Dunkeln, die Polizei war wach, die Innenverwaltung im Krisenmodus. Und der Regierende Bürgermeister offenbar schwer erreichbar. Der Stromausfall vom 3. Januar, ausgelöst durch einen linksextremistischen Terroranschlag (die JF berichtete), hat nicht nur die Verwundbarkeit von Kabeln und Umspannwerken offengelegt, sondern vor allem eines: die erstaunliche Abwesenheit politischer Führung in den ersten entscheidenden Stunden.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) legte nun im Innenausschuß eine Chronologie vor, die es in sich hat. Um 7.15 Uhr erfuhr sie vom Brandanschlag, Feuerwehr und Polizei waren da längst im Einsatz. Um 7.45 Uhr lief die erste koordinierende Schalte, Krisenstrukturen wurden aufgebaut, Zuständigkeiten geklärt. Der Staat funktionierte. Zumindest dort, wo er schon wach war.
Und der Regierende Bürgermeister? Kai Wegner (CDU) taucht erst um 8.05 Uhr in dieser Geschichte auf – allerdings nur als Abwesenheit. Spranger versuchte, ihn telefonisch zu erreichen. Erfolglos. Das Handy sei ausgeschaltet gewesen. Um 8.07 Uhr folgte schließlich eine schriftliche Information.
Hat Wegner das Handy nur überhört?
Um 7.57 Uhr informierte die Berliner Polizei die Bevölkerung bereits über WhatsApp, soziale Kanäle und andere Warnsysteme. Die Exekutive war handlungsfähig, die Bürger informiert – nur der Regierende Bürgermeister blieb zunächst im Funkloch der eigenen Regierungsverantwortung.

Die Senatskanzlei widerspricht: Das Handy sei nie ausgeschaltet, es springe lediglich die Mailbox an. Ein feiner Unterschied für Technikliebhaber. Politisch bleibt davon vor allem eines hängen: In einer historischen Großschadenslage war der Regierungschef nicht erreichbar. Ob ausgeschaltet, überhört oder ignoriert – das Ergebnis ist identisch. Spranger nennt die Debatte ein „Windhundrennen“ und warnt vor Wahlkampfgetöse. Doch genau dieses Getöse hat sich der Senat selbst eingebrockt. Denn wer in der Krise nicht führt, sondern erklärt, warum er nicht ans Telefon gegangen ist, muß sich den Vorwurf gefallen lassen, die Lage verschlafen zu haben. Besser wurde die Lage dadurch natürlich nicht, daß der Regierende Bürgermeister später als erster in Berlin wieder ans Netz ging und Tennis spielte.
Während Berlin fror, Krankenhäuser Notstrom fuhren und Einsatzkräfte improvisierten, diskutiert die politische Spitze über Mailboxen, Uhrzeiten und Zustellwege. Der Blackout war das Werk von Extremisten. Der Eindruck politischer Orientierungslosigkeit hingegen ist hausgemacht – und er bleibt haften.





