BERLIN. Mit scharfer Kritik an der Berliner Landesregierung hat die Polizeigewerkschaft auf die Silvesternacht in der Hauptstadt (die JF berichtete) reagiert. Der Sprecher des Berliner Landesverbandes der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, machte deutlich, wem das Ausbleiben größerer Ausschreitungen zuzuschreiben sei.
„Es ist allein unseren Kollegen zu verdanken, daß die großen Ausschreitungen und entsprechende Bilder ausgeblieben sind“, sagte Jendro der Berliner Lokalredaktion von t-online.
Im selben Atemzug warnte er davor, die Ereignisse zu verharmlosen. „Gerade unsere Berliner Landesregierung sollte sich jetzt nicht zurücklehnen und darauf hoffen, daß die Polizei und Feuerwehr ihnen hier immer wieder die Kohlen für politische Tatenlosigkeit aus dem Feuer holen.“ Ein brennender Bahnhof, entglaste Scheiben, abgefackelte Fahrzeuge und 35 verletzte Einsatzkräfte könnten nach seinen Worten niemals Normalität sein.
35 Polizisten an Silvester in Berlin verletzt
Die Bilanz der Berliner Polizei nach der Silvesternacht fällt deutlich aus. Einsatzkräfte sind mit Pyrotechnik beschossen und körperlich attackiert worden. Insgesamt wurden 35 Polizisten verletzt, zwei von ihnen so schwer, daß sie zur stationären Behandlung in Krankenhäuser gebracht werden mußten. Rund 3.200 Beamte waren im Einsatz, um die mittlerweile alljährlichen Ausschreitungen zum Jahreswechsel einzudämmen.
Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden insgesamt etwa 800 Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Hinzu kommen mögliche Verstöße gegen das Waffengesetz, Brandstiftung und Landfriedensbruch. Trotz dieser Zahlen zog Berlins Innensenatorin eine weitgehend positive Bilanz der Nacht. Die Polizeigewerkschaft hält dem entgegen, daß die Lage nur durch den massiven Einsatz der Beamten unter Kontrolle geblieben sei.
Hintergrund der Kritik ist die seit Jahren geführte Debatte um ein generelles Böllerverbot für den Privatgebrauch. Die Gewerkschaft der Polizei setzt sich dafür ein. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gilt als Gegner eines solchen Verbots. Kritiker fordern dennoch, daß er sich im Bundesrat für entsprechende Maßnahmen einsetzt. (rr)






