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„Fundamentaler Einschnitt“: So reagiert Deutschland auf Trumps Zoll-Ankündigung

„Fundamentaler Einschnitt“: So reagiert Deutschland auf Trumps Zoll-Ankündigung

„Fundamentaler Einschnitt“: So reagiert Deutschland auf Trumps Zoll-Ankündigung

Das Foto zeigt Robert Habeck, Clemens Fuest und Leif-Erik Holm, die sich zu Trumps Zoll-Ankündigung geäußert haben.
Das Foto zeigt Robert Habeck, Clemens Fuest und Leif-Erik Holm, die sich zu Trumps Zoll-Ankündigung geäußert haben.
Robert Habeck, Clemens Fuest und Leif-Erik Holm: Trumps Zollankündigung sorgt für Kritik. Foto: IMAGO / Mike Schmidt / IMAGO / dts Nachrichtenagentur / IMAGO / Funke Foto Services /// Montage: JF
„Fundamentaler Einschnitt“
 

So reagiert Deutschland auf Trumps Zoll-Ankündigung

Mit seiner Ankündigung massiver Zölle löst US-Präsident Donald Trump in Deutschland Besorgnis aus. Doch wie soll die EU reagieren? Dazu gibt es verschiedene Meinungen.
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BERLIN. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, massive Zölle, unter anderem auch gegen die Europäische Union, zu verhängen, hat in Deutschland für große Aufregung gesorgt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach am Donnerstag von einer „US-Zoll-Manie“. Diese könne eine Spirale in Gang setzen, die weltweit Schaden anrichtet.

Die angekündigten Zölle schadeten der europäischen wie der US-Wirtschaft. „Für die Verbraucher in den USA wird der Tag nicht zum Liberation Day, sondern zum Inflation Day.“ Habeck plädierte dafür, weiter auf Verhandlungen zu drängen, „nicht auf Konfrontation“. Wenn die USA dies aber nicht wollten, werde die EU eine entschlossene Antwort geben.

Von der Leyen pocht auf Verhandlungen

Die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) plädierte am Donnerstag für einen „alternativen Weg“. Es sei nicht zu spät für Verhandlungen. „Laßt uns von der Konfrontation zu Verhandlungen kommen!“ Zugleich drohte von der Leyen mit Vergeltungsmaßnahmen. „Trumps Ankündigung ist ein massiver Schlag für die Weltwirtschaft.“

Der deutsche EU-Abgeordnete Daniel Caspary (CDU) bezeichnete Trumps Ankündigung als „eine Vollkatastrophe“. Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), sprach in den ARD-„Tagesthemen“ von „Willkür“, die „völlig inakzeptabel“ sei. Trumps Ankündigungen seien eine „Kampfansage“.

Manfred Weber, Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), richtete sich direkt an die USA: „Das ist kein Tag der Befreiung, sondern ein Tag der Verbitterung.“ Anna Cavazzini, grüne EU-Abgeordnete aus Deutschland, hatte sich bereits im Vorfeld dafür ausgesprochen, eine „Digitalsteuer“ zu verhängen. „Trump da treffen, wo es ihm (und seinen ‘Bros‘) weh tut.“

Auch die AfD meldet sich zu Wort

Der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Leif-Erik Holm, kritisierte, Trumps Entscheidung kippe Sand ins Getriebe der Weltwirtschaft. „Zölle und Gegenzölle schmälern den Wohlstand der Bürger auf allen Seiten.“ Zugleich zeigte er Verständnis für Trumps Argument, daß etwa europäische Auto-Zölle höher seien als die der USA.

Der Leiter der AfD-Delegation im EU-Parlament, René Aust, sagte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT, jetzt müsse auch Europa seine Unternehmen schützen. „Gleichzeitig müssen wir Donald Trump die Hand zur Kooperation reichen. Noch ist ein Handelskrieg abzuwehren.“ Aust forderte, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen durch weniger Steuern und Bürokratie zu erhöhen.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel warf ein, mit der Ankündigung Trumps werde „der Wohlstand aller angegriffen“. Das globale Wirtschaftswachstum werde zurückgehen, die Preise steigen. „Ich appelliere an die US-Administration, die Tür für Gespräche im gemeinsamen Interesse offen zu halten. Deutschland und Europa sind Freunde der USA. In diesem Geiste können wir gemeinsam eine starke Zukunft gestalten.“

„Das ist ein Frontalangriff auf den Welthandel“

Auch zahlreiche Wirtschaftsverbände meldeten sich zu Wort. „Die angekündigten Zölle sind ein beispielloser Angriff auf das internationale Welthandelssystem“, kritisierte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Sie bedrohten Deutschlands exportorientierte Unternehmen und gefährdeten Arbeitsplätze. Der BDI unterstütze den Kurs der EU-Kommission, weiterhin verhandlungsbereit zu sein.

„Das ist ein Frontalangriff auf den Welthandel“, klagte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. Trump stürze die Welt „in einen offenen Handelskrieg“. Jandura forderte, daß die EU mit deutlichen Gegenmaßnahmen reagiert. Zugleich appellierte er an die Bundesregierung, die Unternehmen unter anderem bei Steuern und Bürokratie zu entlasten.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), schätzt Trumps Ankündigung als „fundamentalen handelspolitischen Einschnitt“ ein. Die USA kehrten von der „regelbasierten globalen Handelsordnung“ ab. „Das ist kein America first, das ist America alone.“ Müller forderte, die Entschlossenheit beim Abschluß von Freihandelsabkommen mit „möglichst vielen Regionen in der Welt“ zu erhöhen.

Wirtschaftsweise fordert: Jetzt nicht nachgeben

Deutsche Wirtschaftsanalysten mischten sich ebenfalls in die Debatte ein. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer analysierte, fast noch problematischer als die Zölle sei die steigende Unsicherheit durch Trumps Politik. Die EU müsse jetzt geschlossen reagieren. Schnitzer plädierte für gezielte Zölle gegen US-Waren aus republikanischen Staaten und Maßnahmen gegen Tech-Unternehmen. „Wer jetzt nachgibt, riskiert, daß Trump seine Forderungen immer weiter erhöht, wie der Bully auf dem Pausenhof.“

Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, sprach sich dafür aus, auf die US-Zölle zu antworten, indem der Handel mit anderen Ländern weiter liberalisiert wird. „Den USA sollte man anbieten, beidseitig alle Zölle abzuschaffen, auch auf landwirtschaftliche Produkte. Gegenzölle sollte man vorbereiten, aber noch nicht einführen.“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), analysierte unterdessen, Trump habe mit den Strafzöllen „einen schweren und möglicherweise fatalen Fehler gemacht“. Er überschätze die Macht der US-Wirtschaft. Fratzscher plädierte dafür, gleichhohe Zölle einzuführen. „Dies schützt die Glaubwürdigkeit der EU und signalisiert, daß Europa zu deeskalieren bereit ist, wenn Trump seinen Kurs korrigiert.“ (ser)

Robert Habeck, Clemens Fuest und Leif-Erik Holm: Trumps Zollankündigung sorgt für Kritik. Foto: IMAGO / Mike Schmidt / IMAGO / dts Nachrichtenagentur / IMAGO / Funke Foto Services /// Montage: JF
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