Erderwärmung

Durban: Neues Datenleck verhagelt Klimakonferenz

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Die Klimakonferenz von Durban dauert zwölf Tage Foto: Vereinte Nationen

DURBAN. Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die heute begonnen hat, wird von einem neuerlichen Datenleck überschattet: Mehrere Tausend Emails von Klimaforschern haben ihren Weg ins Internet gefunden. Auf der bis zum 9. Dezember anberaumten Konferenz soll eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll vereinbart werden, das 2012 ausläuft.

Ein Unbekannter, der sich FOIA nennt – eine Reminiszenz an den Freedom of information Act –, hat vor einer Woche die persönlichen Nachrichten von Klimaforschern veröffentlicht. Darin enthalten sind Belege für manipulierte Forschungsergebnisse und Überlegungen von Klimaforschern, wie Klimaskeptiker diskreditiert werden könnten.

In Email 1939 beispielsweise gesteht der englische Klimaforscher Peter Thorne seinem Duz-Freund Phil Jones und anderen Wissenschaftlern, daß eine bestimmte Temperaturveränderung nur nachweisbar sei, wenn eine bestimmte Untersuchung als Beleg dafür herangezogen werde. Alle anderen Studien zu dem Thema müßten vernachlässigt werden. Dies sei gefährlich. „Wir müssen diese Unsicherheiten kommunizieren und ehrlich sein“, schreibt Thorne seinen Kollegen ins Stammbuch.

Wissenschaftler und Politiker sind empört über die Veröffentlichung der Emails. Der amerikanische Parlamentsabgeordnete Ed Markey (Demokrat, Massachussetts) forderte eine Bestrafung desjenigen, der die Daten veröffentlicht, weil dies geeignet sei, die internationale Klimakonferenz zu „sabotieren“, berichtet das Wall Street Journal in seiner Ausgabe vom Montag. Schon vor zwei Jahren hatten Unbekannte unmittelbar vor der Klimakonferenz in Kopenhagen vertrauliche Emails von Klimaforschern ins Internet gestellt. Vor allem Wissenschaftlern der Universität East Anglia konnte dadurch nachgewiesen werden, daß sie ihre Forschungsergebnisse manipulierten, um eine vom Menschen gemachte Erderwärmung nachzuweisen. Diese Veröffentlichungen wurden unter dem Namen Climategate bekannt.

Röttgen fordert CO2-Budget für jedermann

Unabhängig von der nun als Climategate II bezeichneten Email-Veröffentlichung steht es nicht gut für die Zunft der Klimaforscher. Finanzielle und wirtschaftliche Sorgen in den wichtigen westlichen Industrienationen haben das Thema CO2-Reduktion in den Hintergrund gedrückt. Gerade angesichts der Schuldenkrise in der EU und den USA spielt die Kohlendioxid-Minimierung nicht mehr die herausragende Rolle, die sie noch vor zwei Jahren hatte.

Regierungsvertreter versuchen wohl auch deshalb mit provokanten Forderungen auf die Erderwärmungsproblematik aufmerksam zu machen. So forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in einem Interview mit dem Spiegel die Einführung eines CO2-Limits für den Menschen. In der künftigen Weltklimapolitik solle ein einheitliches CO2-Budget für jeden Menschen festgelegt werden. Das Endziel sei, so Röttgen, „ein Pro-Kopf-Budget für die Emission von Treibhausgasen, das für jeden Menschen auf der Welt gilt.“ (rg)

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