Impfstoff
Dringende Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus Foto: picture alliance/Ulrich Baumgarten
Überblick zur Corona-Lage

Covid-19 – Hoffnung auf Immunität?

Wir hoffen alle auf Immunität gegen das Virus – nach überstandener Infektion oder durch eine Impfung. Allerdings deuten einige Studien darauf hin, daß gerade bei Menschen, die keine Symptome hatten, nach einer Infektion keine Antikörper im Blut mehr nachweisbar sind. Die Beobachtungen wecken Zweifel an der Aussagekraft von Antikörpertests, am derzeit diskutierten Immunitätspaß sowie der Entwicklung eines Impfstoffs.

Bei Viruserkrankungen kann das Immunsystem mit den T-Zellen, einer Unterart weißer Blutkörperchen, auf Krankheitserreger reagieren und diese aktivieren damit B-Zellen, die dann Antikörper bilden, welche die Erreger unschädlich machen. Diese Antikörper sind wichtig für das Immungedächtnis – damit das Immunsystem bei erneutem Kontakt mit dem Erreger stärker und schneller reagiert.

Leider ist nicht gesichert, ob die Präsenz von Antikörpern grundsätzlich automatisch vor einer erneuten Infektion schützt. Und man weiß auch nicht, wie hoch der Antikörperspiegel für einen Schutz sein sollte. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), betonte, man müsse hierzu harte klinische Daten finden: „Ob ein Immunschutz entsteht, muß an der Realität gemessen werden.“

Je mehr Virus, desto mehr Antikörper

Auch bei anderen Viruserkrankungen im Hals- und Rachenbereich reichen nur wenige Erreger wahrscheinlich nicht aus, um eine große Antikörperantwort oder T-Zellen-Immunität auszulösen. Bei Sars (severe acute respiratory syndrome) beispielsweise hatten die meisten Menschen, die daran erkrankt waren, nach ein paar Jahren keine neutralisierenden Antikörper mehr im Blut, bei den Schwerkranken jedoch konnte eine Testung zwölf Jahre später noch Antikörper ergeben. Je mehr Virus, desto mehr Antikörper – und desto länger bleiben sie im Körper.

Diese abgestufte Reaktion des Immunsystems ist sinnvoll, da wir im Alltag ständig mit Krankheitserregern konfrontiert werden. Bei nur leichten Erkrankungen muß das Immunsystem ja nicht voll hochfahren. Bei Covid-19-Erkrankungen mit schwereren Symptomen indes ist das Immunsystem stark aktiviert und es ist sehr wahrscheinlich, daß eine erneute Infektion später verhindert werden kann.

Neben den Antikörper bildenden B-Zellen ist die T-Zell-Antwort auf den Erreger möglicherweise genauso wichtig, was eine zentrale Strategie für die Entwicklung eines Impfstoffs beinhaltet. Bei Studien aus den USA und Deutschland konnte gezeigt werden, daß bis zu 30 Prozent der Menschen, die nicht mit Sars-CoV-2 infiziert waren, dennoch bestimmte T-Helferzellen hatten, die auf dieses Coronavirus reagierten.

Immunität könnte nur wenige Monate halten

Dies liegt wahrscheinlich daren, daß sie schon einmal Kontakt mit so genannten Common-Cold-Coronaviren hatten – also mit anderen, ähnlichen Coronaviren, die herkömmliche Erkältungen auslösen. Diese Teilimmunität gegen Covid-19 könnte erklären, warum so unterschiedlich schwere Verläufe und Symptome zu beobachten sind.

Eine die Infektion komplett verhindernde Immunität durch eine wirksame Impfung hält möglicherweise nur wenige Monate an. Eine schützende Immunität, die Symptome verhindert oder lindert, könnte jedoch länger anhalten.

Alle Viren mutieren, auch das Sars-CoV-2 Virus. Mutationen könnten manche Virus-Stämme mehr oder weniger ansteckend machen. Ob die Virusversionen, die zu Beginn der Ausbrüche in Hotspots wie der Lombardei oder in Madrid identifiziert wurden, tödlicher waren als die, die in späteren Stadien oder an anderen Orten auftreten, ist momentan unklar.

Ein wirksamer Impfstoff könnte der einzige Ausweg aus der Pandemie sein. Derzeit werden weltweit rund 2.600 klinischen Studien zu Covid-19 durchgeführt, mehr als 160 Impfprojekte entwickelt, 20 davon befinden sich bereits in der Klinik zu Studien. In den groß angelegten, bald beginnenden Wirksamkeitsstudien der führenden Biotechunternehmen erhält eine Probandengruppe den Impfstoff, die andere ein Placebo (Scheinimpfung).

Wettlauf um Impfstoff

Nach einigen Monaten wird verglichen, wie viele Menschen sich jeweils mit Sars-CoV-2 infiziert haben. Kürzlich hatten die US-Biotechfirma Moderna und der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca über vielversprechende Tests berichtet. Aber auch deutsche Hersteller sind mit im Rennen dabei. Curevac aus Tübingen besiegelte eine Forschungsallianz mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo-Smithkline und Biontech, die zum Beteiligungsportfolio der Strüngmann-Familie gehören, mit der Regierung in London die Lieferung von 30 Millionen Einheiten des noch in Entwicklung befindlichen Impfstoffes.

Beide Firmen und auch Moderna arbeiten auf der Basis von Botennukleinsäuren, einer in der Praxis noch nicht erprobten Technologie. Aus den Tierversuchen mit den Impfstoffen läßt sich momentan ableiten, daß es einen Covid-19-Impfstoff geben könnte, der eine schwere Erkrankung verhindert, jedoch nicht die Ausbreitung des Virus. Das Interesse der Regierungen und der großen Pharmakonzerne spiegelt die Zuversicht, dass diese neuen Verfahren auch über den Kampf gegen Corona hinaus eine wichtige Rolle spielen könnten.

Das Rennen um den Impfstoff ist so lukrativ, daß laut dem FBI chinesische Hacker seit längerem versuchen, bei den führenden US-Biotechkonzernen geistiges Eigentum zu stehlen, um in China eine eigene Produktentwicklung zu kreieren. Ob dies nicht auch umgekehrt gemacht wird, wurde nicht verlautbart.

Wirksamkeit muß sich erst noch zeigen

Ein Impfstoff, ob er nun aus den USA oder China kommt, wird frühestens im Spät-Herbst diesen Jahres zugelassen werden. Diese frühen Zulassungen haben allerdings einen vorläufigen Charakter, da eigentlich im großen Maßstab Verträglichkeiten getestet und die Wirksamkeit bestätigt werden muß, was bei diesen sogenannten Notfall-Zulassungen nur begrenzt möglich ist.

Wahrscheinlich kommen mehrere Impfungen auf den Markt und man wird später, wenn ausreichend Erfahrung gesammelt wurde, die ausgereifteste Vakzine bevorzugt einsetzen. Ein absoluter Schutz vor dem Corona Virus durch eine Impfung scheint illusorisch, wahrscheinlich wird ein Schutzniveau wie bei Grippeimpfungen erreicht werden.

Dringende Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus Foto: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

CATCODE: Article_Natur und Technik