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Wunscherfüllung vom großen Bruder

Vom Schreckbild zum Vorbild“ – das hört sich nach einem Nachzügler-Beitrag zu Ernst Nolte und dem Historikerstreit an. Doch Kaspar Maase geht es mit dieser zugkräftigen Überschrift um etwas anderes, nämlich „Wie und warum sich der deutsche Rundfunk amerikanisierte“ (Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 9/04). Seine Ausgangsthese dazu klingt provokativ, ist aber heute unter Medienhistorikern kaum umstritten: „Amerikanisierung kam nicht von außen, sie wurde von innen gewollt.“ Denn deutsche Politiker haben nach 1945 systematisch das nicht-kommerzielle britische Rundfunk-Modell demontiert, wonach sich die Sender allein über Gebühren finanzieren sollten, um die publizistische Unabhängigkeit zu wahren. Über Parteiloyalitäten wurden Sender schnell kontrolliert Die deutsche Antwort auf dieses an der BBC ausgerichtetes Verständnis von Rundfunk als „Public Service“ habe darin bestanden, „die klaren Prinzipien der westlichen Alliierten zu verwässern“. Denn die westdeutschen Parteien hätten über die Besetzung der Kontrollgremien nach „Parteiloyalitäten“ die Sender schnell unter ihre Kontrolle gebracht. Mit der Proporzlogik der „Ausgewogenheit“ sei dann konsequent auch der kritische Journalismus und die künstlerische Kreativität beschnitten worden. Auf diesen ersten „Sündenfall“ der Politisierung folgte bald der zweite der „Selbstkommerzialisierung“. Die sei im BRD-Rundfunk und im Fernsehen Anfang der achtziger Jahre so weit fortgeschritten gewesen, daß die Zulassung kommerzieller Fernseh- und Radiounternehmen nicht mehr einen so scharfen Systemwechsel bedeutete, wie Kulturpessimisten gern behaupten. Vor allem lasse sich diese 1984 eröffnete Privatisierung nicht als „Amerikanisierung“ denunzieren, denn sie sei eine rein innenpolitische Entscheidung gerade der sich konservativ gebenden CDU/CSU gewesen, die sich davon eine bessere mediale Repräsentation versprach, tatsächlich aber die Tür zu jenen „schädlichen Sex- und Gewaltdarstellungen“ weit öffnete, die gemeinhin als „typisch amerikanisch“ gelten. Allerdings legt Maase in einer umfassenden historischen Übersicht auch dar, daß Politiker nicht die medienpolitischen Subjekte und die Rundfunkkonsumenten nur Objekt ihrer Manipulationen gewesen sind. Vielmehr läßt sich seit den Kindertagen des deutschen Rundfunks in der Weimarer Republik ein „von unten“ forcierter Prozeß weg von anspruchsvoller „Hochkultur“ und hin zu „leichter Unterhaltung“ wahrnehmen. Joseph Goebbels wie auch seine westlichen Kollegen hätten hier unter Kriegsbedingungen wie Beschleuniger gewirkt. Der NS-Unterhaltungsfunk näherte sich seit 1940 unter dem Druck der Hörerschaft jenen Programminhalten, die in den USA in den Dreißigern auf privatkapitalistischer Grundlage den Zeitgeschmack bedienten. Nach dem Krieg ging dann die einstige „Hochkulturorientierung“ in der nochmals steigenden Nachfrage nach „Unterhaltung“ rasant zurück. Das auffällig neue Moment in einem jeder „geistigen Anstrengung“ abholden Konsumverhalten“ der Rundfunknutzer ist allerdings die „Öffnung zur internationalen kommerziellen Populärkunst“, genau genommen die Wendung zur Rezeption US-amerikanischer Bilder und Töne. Maase macht für die fünfziger Jahre eine „Gewöhnung des deutschen Publikums an Konfliktmuster, Erzählweise und Bildsprache Hollywoods“ aus, die den „Selbstentfaltungswünschen“ der Westdeutschen am meisten entgegenzukommen scheinen. Warum die Exportware den Deutschen besser gefiel, diese Antwort bleibt leider auch Maase schuldig, wenn er vage davon spricht, Hollywood mache schlicht die besseren „symbolisch-ästhetischen Angebote für das Sich-Einrichten mit den neuen Lebensmöglichkeiten“ im Hochkapitalismus. Foto: Redaktionsteam des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) in der Nachkriegszeit: An der BBC ausgerichteter „Public Service“

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