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Neue Technologien: Evolutionärer Nutzen des Alters

Eine Frage wird in der aktuellen Debatte über Rentenversicherung und teure Hüftgelenke ständig ausgeblendet: Wozu sind die Alten eigentlich nütze? Sind sie in ihren Forderungen bloß auf das Mitleid der Jüngeren oder auf die Drohung mit einer „Rentner-Partei“ angewiesen, oder haben sie Leistungen zu bieten, die in größerem Umfang nachgefragt werden? Wenn nicht, müßte man sich evolutionsbiologisch fragen, warum es Menschen dann überhaupt vermögen, ihre fortpflanzungsfähige Periode um bis zu vierzig Jahre zu überdauern, wie es vor allem bei Frauen auffällig ist. Die medizinische Versorgung ist nicht allein der Grund. Zwar produziert die moderne Medizin immer mehr Langlebige, aber die Fähigkeit zum jahrzehntelangen Altern haben die Menschen bereits genetisch mitbekommen. Auch in der Antike hat es immer wieder Achtzigjährige gegeben, und umgekehrt wird eine Maus auch bei bester ärztlicher Betreuung nicht älter als zwei. Irgendwie könnte es an der Größe liegen. Elefanten neigen auch zum Älterwerden – und über Wale liest man gerade, daß sie sich regelmäßig um ihre Enkel kümmern. Und auf diese Weise – so schreibt Ronald Lee von der University of California in Berkeley in einer neuen Studie – läßt sich auch die Alterungsfähigkeit bei manchen Tieren erklären: Sie übernehmen wichtige Erziehungsaufgaben. Sicher ist diese Sichtweise etwas vermenschlicht. Evolutionär dürfte es eher umgekehrt zugegangen sein: Große Tiere werden älter und haben daher mehr Zeit für Bildung. Mit dieser Fähigkeit aber verbessern sie ihre Überlebenschancen. Was in diese Theorie gar nicht hineinpaßt, ist die Dummheit der Dinosaurier. Oder doch, denn was kann man mit einer Oma anfangen, die nicht weiß, wann „Raumschiff Enterprise“ startete, oder einem Opa, dem der Name Rudi Dutschke nichts sagt? Zudem haben die Älteren eine ganz massive Konkurrenz von den elektronischen Medien bekommen. Vor Erfindung des Buchdrucks hat man ohne die alte Großmutter gar nichts von den großen oder kleinen Geschichten gewußt, das reichte bis zu den Brüdern Grimm. Später gab es zwar schriftliche Aufzeichnungen, aber wer „mit eigenen Augen gesehen“ hatte, wie der König durchs Tor fuhr, hatte einen deutlichen Informationsvorsprung. Heute haben die Enkel bereits alles Erdenkliche im Fernsehen gesehen. Infolgedessen wissen sie nicht, wozu sie die Alten noch brauchen. Eltern werden zum Füllen des Kühlschranks und zum Rausrücken der Scheine noch gerade geduldet, aber sonst sind technische Geräte ihre Bezugspunkte. Die liefern alles – nur sind sie leider am Benutzer nicht im geringsten interessiert. Das fröhliche „Guck mal! Sieh mal, was ich hier Tolles mache!“ bleibt den Kindern heute im Hals stecken. Hier hätten überlebenswillige Senioren eine echte Marktlücke gefunden. Aber Vorsicht, Kinder sind anspruchsvolle Kunden!

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