Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Schule der Nation

Wer Volksbildung im Sinne des Wortes betreiben will, also Bildung als Instrument versteht, aus einem Volk eine Nation zu machen, der kann sich wohl niemand besseren zum Patron wählen als Johann-Gottlieb-Fichte. Der Jenenser Philosophieprofessor (1762 bis 1814) repräsentiert wie kein zweiter die Idee von der Bildung als Volksbildung im Sinne einer Erziehung zur Nation: Wer sich bildet, erkennt die Zusammenhänge, in denen er lebt, historisch, geographisch, geistig und politisch. So entsteht aus Bildung „automatisch“ nationales Bewußtsein. Das ist der Gedanke, auf dem die Arbeit der Johann-Gottlieb-Fichte-Stiftung beruht. „Johann-Gottlieb Fichte“, heißt es in ihrer Selbstdarstellung, „Der Name ist Programm“. Die Stiftung wurde 1996 als Parteistiftung der Republikaner gegründet, versteht sich heute allerdings als parteipolitisch unabhängige Bildungseinrichtung: „Unabhängigkeit ist wichtig, um uns ernsthaft unseren Aufgaben widmen zu können, denn wir sind kein verlängerter Arm, sondern eine selbständige Institution“, erklärt die Sprecherin und stellvertretende Stiftungs-Vorsitzende Monika Ewert. Dennoch beharrt man auf einem klaren politischen Profil im Sinne Fichtes, der mit seinen „Reden an die deutsche Nation“ 1807 für einen historischen Impuls bei der politischen Bewußtseinswerdung der Deutschen sorgte: „Gemeinsam für Deutschland lernen“ heißt das Motto der Stiftung, „weiterbilden sollen sich Menschen aus dem ganzen freiheitlichen und patriotischen Spektrum“, erläutert Monika Ewert. Obwohl die Stiftung auch Forschungsvorhaben unterstützt, besonders die Dokumentation und Erforschung zeitgeschichtlicher Fragen, sieht sie sich in erster Linie der Breitenbildung verpflichtet. Vor allem dem politischen Nachwuchs, der soll „fit gemacht werden“ für die Aufgabenstellungen in Funktionärsämtern, Kommunalmandaten oder Pressearbeit. „Handwerkliche Ausbildung tritt dabei gegenüber der intellektuellen Auseinandersetzung und Theoriebildung in den Vordergrund“, bekennt Monika Ewert, „allerdings widmen wir uns auch inhaltlichen Fragen, in jüngster Zeit Themen wie Genmanipulation, Terrorismus, Globalisierung, Integration und Zuwanderung.“ Nationalbildenden Charakter erblickte Fichte, der stets den Dienst am anderen und an der Gemeinschaft forderte, auch im gemeinsamen Lernen. Das Element der Gemeinsamkeit erachtet die Stiftung daher für ebenso wichtig wie das Lernen selbst. Und so werden die Seminare durch bündisches Singen, Sport oder andere gemeinschaftliche Aktivitäten ergänzt. Unter dem Motto „Fichte aktiv“ werden außerdem Jugendliche zum gemeinsamen Wandern, Singen, Radfahren und Diskutieren eingeladen. Ein drittes Element, das man von Fichte herleitet, ist das Prinzip einer „sittlichen Weltordnung“, dem sich der deutsche Idealismus verpflichtet sah. Auch hierin steckt ein gemeinschaftsstiftendes Element, da sie im Gegensatz zum modernen Individualismus dem anderen und der Beziehung zu ihm einen hohen Wert einräumt. Eine Gemeinschaft, die mehr als eine steuerpflichtige Interessengemeinschaft sein will, läßt sich schließlich nur aus einem solchen Geflecht bilden. Die Fichte-Stiftung versteht sich also nicht nur als Volkshochschule im Sinne einer Breitenbildungsanstalt, sondern auch im Sinne der Erziehung zur Gemeinschaft. Daß diese Bildungsziele allerdings angesichts der dünnen finanziellen Decke – die Stiftung finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Förderer – und der schwachen strukturellen Situation allenfalls in Ansätzen erreicht werden können, räumt die Stiftung ein. Im kommenden Sommer bietet man erneut Grundseminare und einen Aufbaukurs im Bereich Medien an, die Basiswissen zu wichtigen journalistischen Grundformen wie Meldung, Nachricht und Pressemitteilung oder dem Erstellen eines Presseverteilers vermitteln. Für kommunale Mandatsträger bietet die Stiftung Kurse in Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit sowie Fachseminare zu Themen wie Zuwanderung oder Familienpolitik. Monika Ewert abschließend: „Egal welcher Art von politischer Betätigung Sie sich widmen, bei uns lernen sie das nötige Handwerkszeug.“ Information: Postfach 10 03 24, 63703 Aschaffenburg. E-Post: jgfstiftung@aol.com

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