Loyal und um Anstand bemüht

Franz Anton Basch wurde am 27. März 1946 vom Landesrat der Volksgerichte in Budapest wegen „kriegs- und volksfeindlicher Verbrechen“ zum Tode verurteilt und am 26. April hingerichtet. Im Banat, das damals zwischen Rumänien und Jugoslawien geteilt war, wuchs Basch, geboren am 13. Juli 1901, als Sohn eines Schwaben und einer Schweizerin auf. Später studierte er – für seinen Heimatstaat illegal – als Stipendiat des angesehenen Eötvös-Kollegs in Budapest. Durch das Studium der Germanistik kam er in Berührung mit Jakob Bleyer, dem konservativ-katholischen Vorsitzenden des deutschen „Volksbildungsvereins“; der Verein war so zugeschnitten, daß er ohne die Vertrauensleute der Regierung nichts machen konnte. Nach Bleyers Tod 1933 wurde Basch unter dem Vorsitz des liberal-legitimistischen Gustav Gratz Generalsekretär des „Volksbildungsvereins“, aber bereits 1938 erfolgte, ausgelöst durch interne Auseinandersetzungen, die Gründung des „Volksbundes der Deutschen in Ungarn“. Zum Vorsitzenden dieser regierungsunabhängigen Organisation wurde Franz Basch gewählt. Als im Zusammenhang mit der Zertrümmerung der CSSR Ungarn sein Territorium nach 1940 vergrößern konnte, kamen damit auch bereits nationalsozialistisch geschulte „volksdeutsche“ Gruppen unter seine Hoheit. Die „Volksdeutsche Mittelstelle“ erzwang zum Teil illegale Maßnahmen, wie die geheime Aushebung von Männern für die Waffen-SS, später die direkt ausgehandelten Werbeaktionen. Da sich Basch gegen diese und andere Forderungen wehrte und außerdem wegen seiner jüdischen Geliebten angezeigt wurde, geriet er immer stärker unter Druck. Der damalige ungarische Kultusminister Bálint Hóman schilderte Basch als loyal, und der führende Ministerialbeamte Birkás nannte ihn einen Gefangenen seiner Lage, der sich aber bemühte, seine Rolle mit Anstand auszufüllen. Basch schöpfte das Ungarn aufgezwungene Volksgruppenabkommen bei weitem nicht aus; nie machte er antisemitische Äußerungen. Über Nazi-Auswüchse im vergrößerten Volksbund war er „verzweifelt“. Sein Kollege Antal nannte Basch sogar einen Glücksfall für Ungarn – aber auf diese Umstände nahmen die Ankläger im Prozeß keine Rücksicht.

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