Audi-Zentrale in Ingolstadt
Audi-Zentrale in Ingolstadt Foto: picture alliance / SvenSimon | FrankHoermann/SVEN SIMON

Mitarbeiter fühlt sich diskriminiert
 

Nach Klage: Audi will weiter an Gender-Sprech festhalten

INGOLSTADT. Der Automobilhersteller Audi will weiter an der angeblich gendergerechten Sprache festhalten. Wie ein Unternehmenssprecher in Ingolstadt am Freitag auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT mitteilte, werde Audi trotz der aktuellen Diskussion über den Gender-Sprech seine vor kurzem beschlossene Regelung beibehalten. Audi habe einen Leitfaden ausgearbeitet und davon „rücken wir nicht ab“. Audi stehe dafür ein. „Wir gendern hier“, sagte der Audi-Sprecher.

Außerdem fügte er hinzu, daß dem Unternehmen bislang keine Klageschrift des Mitarbeiters vorliege, der wegen des Leitfadens vor Gericht gezogen sei. Mitte der Woche hatte die Augsburger Allgemeine berichtet, daß sich ein männlicher Mitarbeiter des Volkswagen-Konzerns (VW) diskriminiert fühle. Audi ist eine Tochter von VW.

Konkret kritisierte der Mitarbeiter demnach, daß er keine Wahl habe, wie er angesprochen werden möchte. Die von Audi vorgeschriebene Regelung des sogenannten Gender-Gaps, bei dem der Wortstamm durch einen Unterstrich mit der weiblichen Endung verbunden wird, schaffe „unter umgekehrten Vorzeichen neue Ungerechtigkeiten“, heißt es dem Bericht zufolge in der Klageschrift beim Landgericht Ingolstadt. „Das Weglassen spezifischer männlicher Endungen und Wortstämme kann nicht als Vorteil gewertet werden, sondern gestaltet sich als fortgesetzte Diskriminierung.“

Audi greife in Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter ein

Der Anwalt des Klägers, Burkhard Benecken, ergänzte gegenüber tagesschau.de: „Wir sind der Auffassung, daß ein Konzern seinen Mitarbeitern nicht eine konkrete Art der Sprache vorgeben darf.“ Audi habe mit dem Leitfaden eine Grenze überschritten, wodurch das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter betroffen sei.

Nach der seit März geltenden Regelung sollen Mitarbeiter bei der Unternehmenskommunikation den Gender-Gap verwenden. Beispielsweise heißt es dadurch „Audianer_innen“ oder „Mitarbeiter_in“. Diese Schreibweise schaffe „Raum für alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten“, begründete eine Mitarbeiterin der Projektgruppe, die ein Jahr lang an der Richtlinie gearbeitet hatte.

Gender-Sprech auf dem Vormarsch

Die angeblich geschlechtergerechte Sprache hielt in den vergangenen Jahren in immer mehr Gesellschaftsbereichen Einzug. Zuletzt sorgte eine Sprachwissenschaftlerin für Schlagzeilen, die eine genderneutrale Umformulierung des Grundgesetzes forderte. Zuvor hatte der Duden angekündigt, zwölftausend Begriffe entsprechend zu ergänzen: Unter „Mieter“ oder „Bäcker“ sind ausschließlich männliche Personen zu verstehen, weibliche finden sich als „Mieterin“ oder „Bäckerin“ in dem Nachschlagewerk.

Linguisten und Germanisten kritisieren diese Veränderung des generischen Maskulinums teils scharf. „Die Festlegung des grammatischen Genus Maskulinum auf das natürliche Geschlecht entspricht nicht der Systematik des Deutschen“, sagte etwa die Germanistin Ursula Bredel. Wenn beispielsweise das Wort „Mieter“ nur noch männliche Mieter bezeichne, würde dadurch auch die Bezeichnung von Menschen erschwert, die sich weder als Männer noch als Frauen fühlten, mahnte Bredel. Die derzeit übliche Formulierung „Mieter (m/w/d)“ sei dann nicht mehr möglich.

Laut anderen Sprachwissenschaftlern sagen Personenbezeichnungen mit grammatisch männlichem Geschlecht in der deutschen Sprache nichts über das biologische Geschlecht aus. (ls)

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