Benedikt Kuhn
Benedikt Kuhn: „Ich durchlebe meinen persönlichen Alptraum“ Foto: privat
Nach Beitrag zum 8. Mai    

„Bembel-With-Care“-Gründer: „Ich wurde enteignet“ 

BIRKENAU. Der Gründer der Apfelwein-Marke „Bembel-With-Care“, Benedikt Kuhn, hat nach seinem Rückzug aus der Firma von einer geplanten Kampagne gegen sich gesprochen. „Ich durchlebe meinen persönlichen Alptraum“, sagte der 41 Jahre alte Hesse am Dienstag der JUNGEN FREIHEIT. Mit der Räumung seines Postens habe er als Gründer, Leiter und Markenrechtinhaber des Vertriebs Schaden von seinem Produkt abwenden wollen. Wegen des Drucks aus den sozialen Netzwerken und der Supermarktketten sei er de facto „enteignet“ worden.

Unter dem Namen „Apfelweinbaron“ hatte Kuhn am 8. Mai anläßlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes in Deutschland einen Beitrag auf Instagram verfaßt, in dem er schrieb, das Datum sei „kein Tag der Befreiung“. Darunter befand sich das Bild einer zu Boden fliegenden Bombe. Auf Facebook, Instagram und Twitter teilten zahlreiche Nutzer den Beitrag und fügten weitere Fotos an, die den Gründer der Marke einmal mit einem Eisernen Kreuz und einer Apfelwein-Dose und ein andermal mit einer Sonnenbrille in Schwarz-Rot-Gold zeigten.

Rewe nimmt Getränk aus dem Sortiment 

Mehrere Nutzer forderten die Supermarktkette Rewe auf, das Getränk aus dem Sortiment zu nehmen, was laut FAZ auch geschah. „Bembel-With-Care“ entschuldigte sich in einer Stellungnahme „bei all unseren treuen Fans“. Die Aussagen entsprächen nicht „unseren persönlichen Ansichten als Mitarbeiter und unserer Firmenphilosophie“. „Bembel-With-Care“ soll künftig von der Kelterei Krämer vermarktet werden, die bisher den Apfelwein produziert hatte.

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Auf seinem „ausschließlich privat“ genutzten Instagram-Kanal habe er zwar öfter polarisierende Themen angesprochen, erklärt Kuhn. Mit einem solchen „Shitstorm“ habe er aber nicht gerechnet. Neben etlichen Beleidigungen wie „Nazi“ sei er auch bedroht worden: „Wir reißen dir den Kopf ab“. Auch seine Mutter sei angefeindet worden. Zudem habe die linksextreme „Antifa“ dem Betrieb einen „Besuch abgestattet“ und Aufkleber an die Fenster geklebt. Neben der sozialen Isolierung, die er erfahre, ermittle inzwischen aber auch der polizeiliche Staatsschutz gegen ihn.

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Kuhn: Es steht nicht gut um die Meinungsfreiheit

Kuhn sagte der JF, er sei „zutiefst erschrocken“. Zwölf Jahre Arbeit, in denen er das Unternehmen gegründet und aufgebaut habe, seien ihm „durch einen Post zerstört“ worden. „Sogenannte Gutmenschen“ hätten eine Welle gegen ihn losgetreten und Informationen aus sämtlichen seiner Profile in den sozialen Medien gesammelt, um ihn zu diffamieren. Das Foto, das ihn mit einem Eisernen Kreuz zeige, stamme beispielsweise von 2017, als er auf einer Modeschau mit einer „Fantasieuniform“ den „Baron von Richthofen“ darstellte, einen deutschen Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg.

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Nun werde er als „Nazi“ behandelt und sei sozial geächtet. „Den Nazi, den die gefunden haben wollen, gibt es gar nicht!“ Er habe schon immer seine Meinung gesagt und manche Leuten, denen das nicht passe, hätten nun ihre Chance gesehen, um einen imaginären „Nazi“ zu verfolgen. Die Genugtuung, die solche Leute dadurch empfänden, schockiere ihn.

Kuhn erzählt allerdings auch von dem Rückhalt und der Unterstützung, die er durch Freunde, Mitarbeiter und in den sozialen Netzwerken erfahre. Öffentlich wolle sich aber keiner äußern. „Niemand will als nächster an den Pranger kommen.“ Für die Meinungsfreiheit in Deutschland bedeute das alles nichts Gutes. (hr)

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