Wasserprediger, keine Regenmacher

Gute Menschen verhindern Katastrophen, erfolgreiche Menschen bedienen sich ihrer.“ Dieser Satz wird Kardinal Richelieu zugeschrieben. Auf die weltweiten Versorgungskrisen unserer Tage umgelegt, wird den Proponenten des Unesco-Weltwasserforums von kritischen Beobachtern unterstellt, eher erfolgreich sein zu wollen. Vom 16. bis 22. März wird in Istanbul die fünfte Auflage des 1997 ins Leben gerufenen und im Dreijahresrhythmus tagenden Weltwasserforums (WWF) stattfinden. 10.000 Teilnehmer, industrielle Wortspenden und politische Bekenntnisse werden erwartet – vorzeigbare Ergebnisse nicht.

Dabei gibt es für die anreisenden Minister und Vertreter diverser supranationaler Gremien sowie von über 3.000 Organisationen ausreichend mit Köpfen zu versehende Nägel. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) sieht bis zum Jahre 2025 – bei gleichbleibenden Verbrauchsparametern – 70 Prozent der Weltbevölkerung als Opfer von Wassermangel. Die Protagonisten des Forums nun geloben, dieser Entwicklung Einhalt gebieten zu wollen. Der Frage, ob sie dazu in der Lage sind, wird in der Berichterstattung jene vorgezogen, ob sie denn überhaupt willens seien. Und dabei kommt das vom Weltwasserrat (World Water Council/WWC) initiierte Forum nicht gut weg.

Zu den Gründern des WWC zählen neben dem ägyptischen Minister für Wasserressourcen, Mahmoud Abu Zeid, auch Vorstände multinationaler Konzerne, etwa GDF Suez. Der französische Energiekonzern ist mit 47,5 Milliarden Euro Jahresumsatz nach Vivendi und vor RWE/Thames die Nummer zwei im internationalen Wassergeschäft. Wie bei anderen Größen der Branche ließen auch die Investitionen der genannten „global aqua players“ bislang eher auf Profitsinn denn auf ein ausgeprägtes Helfersyndrom schließen. Auch deshalb besteht die breite Skepsis gegenüber den Intentionen von WWF und WWC, die ob der Belang-, weil Ergebnislosigkeit der bisherigen Foren bestärkt wird.

Die zügellose Liberalisierung, das Werkzeug der Globalisierung, führte auf dem naturgemäß monopolistischen Wassersektor in der Regel zu verminderter Qualität und Versorgungssicherheit – bei steigenden Preisen, aber sprudelnden Konzerngewinnen. Die Gesetze des globalisierten Marktes erwiesen sich auch hier als nicht kompatibel mit den etwa von der UN-Welternährungsorganisation (FAO) proklamierten „Mil­lenniumszielen“. Diese sehen nicht weniger als die Halbierung der Zahl der Hungerleidenden bis 2015 vor. Um aber Hunger zu stillen, müssen mehr Nahrungsmittel verfügbar sein, deren Produktion wiederum eines braucht: Wasser. Viel Wasser.

Der kostbare Rohstoff aber wird weiterhin vergeudet, in Mangelregionen ebenso wie in jenen Staaten, deren Regierungsvertreter Worthülsen philanthropischer Geberlaune präsentieren. Die in Großbritannien unter Margret Thatcher erfolgte Wasser-Privatisierung war – mehr noch als die der Eisenbahn – ein Desaster. Illegaler Brunnenbau, lecke Wasserleitungen und umweltfeindliche Intensivlandwirtschaft sorgen in den Ländern Südeuropas unverändert für Verluste zwischen 50 und 90 Prozent. In der südlichen Hemisphäre hapert es unverändert an der Wasseraufbereitung. Wesentlich sei die Verbesserung von Wasserversorgung, Hygienemaßnahmen und Klärsystemen zur Abwasserreinigung, betont folgerichtig Mahmoud Abu-Zeid. Genau diese bedarfsgerechten Lösungsansätze aber werden von der transnationalen Wasserlobby, vertreten unter anderem durch WWF und WWC, systematisch ignoriert.

Daß die Foren bislang auch wenig bis keine mediale Resonanz erzielen konnten oder wollten, trägt nicht zum Glauben an ihre Lösungskompetenz wie ihren Lösungswillen bei. Parallel zu den öffentlich vorgetragenen volksnahen Parolen stattfindende hochrangige Treffen hinter verschlossenen Türen sind Wasser auf die Mühlen jener Kritiker, die im WWF ein weiteres Instrument des WWC, als Lobbyvereinigung der Ingenieurs- und Baukonzerne, der Großdamm-Betreiber und privaten Wasserversorger sehen. Unter ihren prominenten Mitgliedern finden sich die Electricité de France, Générale des Eaux/Veolia, die staatliche deutsche KfW-Bank, Mitsubishi Heavy Industries oder das U. S. Army Corps of Engineers und die Weltbank.

Daß die Eigeninteressen der Beteiligten neben der Außerachtlassung der Bedürftigen auch die Abzocke des europäischen Steuerzahlers bedeuten können, zeigt der von der EU partiell übernommene und vom WWC mitfinanzierte Camdessus-Bericht. Es geht dabei um die Abfederung der Risiken privater Investoren, sprich: multinationaler Konzerne, mittels öffentlicher Entwicklungshilfegelder. Von alldem unberührt sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres um jährlich 70 Zentimeter, breitet sich im Süden Spaniens die erste Wüste Europas aus, wird der überlebensnotwendige Mangelrohstoff Wasser immer mehr zum Spekulationsobjekt vorausdenkender Krisengewinnler – auch im Weltwasserforum vertretener Akteure, deren Handeln stets nur von „der Sorge um die Armen der Welt getrieben“ ist.

Das 5. Unesco-Weltwasserforum im Internet: www.worldwaterforum5.org

Foto: Rostiger Duschkopf: Wasser-Privatisierung als sichere Gewinnquelle für Großkonzerne

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