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Ohne Regeln leidet die Moral

Die US-Geldmenge ist innerhalb eines Jahrzehnts explodiert. 1998 betrug sie 6,09 Billionen Dollar, 2008 waren es 14,60 Billionen Dollar. Inzwischen haben fast alle Staaten die Schleusen für billiges Geldes geöffnet. Die Banken kauften und verkauften immer mehr Papiere, deren Wirkung sie nicht verstanden. Die kurzfristige Maximierung der Rendite vernebelt nach wie vor den Durchblick. Das globale Finanzsystem hat das Vertrauen der Welt in einer wilden Orgie von Spekulation, Betrug, Gier und Selbsttäuschung verspielt. Wieder einmal hat sich erwiesen, daß schrankenlose Freiheit die Moral gefährdet. Der Markt wird aber an einer Selbstreinigung gehindert: Fast jede Bank wird von Politikern und Notenbanken für „systemisch“ erklärt, keine darf kollabieren. Alle Finanzlöcher stopft der Staat mit dem Geld heutiger und künftiger Steuerzahler. Das verhindert, daß sich am Finanzmarkt die Spreu vom Weizen trennt. Der künftige US-Etat sieht Ausgaben 3,5 Billionen Dollar vor – bei Einnahmen von 1,75 Billionen Dollar.

Das konnte nur geschehen, weil die Banken „den Bezug zu ihrer eigenen Kultur aufgaben: zu dem, was diese Häuser überhaupt erst zu Größe und Bedeutung geführt hatte – Sinn für Geldwertstabilität, Respekt vor dem Sparer und langfristiges Denken“, kritisierte Horst Köhler im März in seiner Berliner Rede. Die Ausstellung von Wechseln auf die Zukunft wird durch das Wachstum der Wirtschaft nicht automatisch für die Finanzierung aller Ansprüche jetzt und zu einer Tilgung der gemachten Schulden ausreichen. Der Bundespräsident zog daraus die Konsequenz: „Es braucht einen starken Staat, der dem Markt Regeln setzt und für ihre Durchsetzung sorgt. Denn Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb und von der Begrenzung wirtschaftlicher Macht.“

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