Joachim Kuhs

 

Spielball Erde

Auch die Erde ist ein Ball. Wie geht die Menschheit mit ihm um? Wie mit einem Spielball, der getreten wird und an dem Spieler wie Zuschauer ihren Spaß haben? Fußball ist ein Spiel, das zwar ernsthaft betrieben wird, aber dennoch ein Spiel bleibt. Anders das Ballspiel mit der Erde. Das Spiel, den Planeten so schnell wie möglich zu plündern, kann so schnell ausgespielt sein wie eine Fußballweltmeisterschaft ausgeträumt wird. Ist dann nach dem Spiel noch vor dem Spiel? Oder ist dann alles verspielt? Leider wohl letzteres. Deshalb muß auch mit dem gebotenen Ernst nicht nur gespielt, sondern auch bedacht werden, was die Folgen dieses Spiels sind. Dann erst hat die Vernunft eine kleine Chance. Aber eine gewisse Besinnungslosigkeit gehört zu jedem Spiel. Jubel und Heiterkeit machen sich breit. Da sind skeptische Denker Spielverderber, obwohl so nicht einfach weitergespielt werden kann. Wenn der Ernst hereinbricht, ist es zu spät, das Ruder herumzureißen. Im Ernst: Der Ball Erde ist übervölkert mit Spielern, die mit ihrer Arbeit nicht nur etwas schaffen, sondern zugleich auch vernichten. Folgerichtig reagierte bereits im Dezember die EU-Kommission auf eine dramatische Abnahme des Bestandes an Sardellen in der Atlantik-Bucht auf 18.600 Tonnen: Die Sardellenfischerei ist einzustellen, sollten im Frühjahr 2006, also der Laichzeit, noch immer weniger als 28.000 Tonnen Sardellen in besagter Bucht zur Verfügung stehen. Der Frühling ist vorbei, der Sardellenbestand weiterhin zu niedrig. Also tritt die Sperre in den nächsten Tagen in Kraft. Das ist ein schöner Spielzug, der zwar den gesamten Spielverlauf mit der Erde nicht wesentlich verändern wird, aber Applaus verdient: Mehr davon.

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