Beim Waldschutz auf Abwegen

Der deutsche Wald hat unter dem trockenen Sommer 2003 in Baden-Württemberg im besonders gelitten. Der Waldzustandsbericht weist für 2005 im Ländle in der Gruppe der am deutlichsten geschädigten Waldteile mit 45,1 Prozent einen neuen Höchstwert seit 1983 auf. Agrarminister Peter Hauck (CDU) schreibt im Vorwort zum Waldschadensbericht 2006, man müsse sich aufgrund des Klimawandels auf mehr trockene, aber auch mehr stürmische Wetterperioden einstellen und daher langfristig verstärkt auf Bäume setzen, die diesen klimatischen Voraussetzungen besser gewachsen seien, also auf Kiefern, Spitzahorn, Douglasie oder Linden. Positiv sei immerhin, daß die Luftreinhaltepolitik die Säurebelastung der Wälder seit den achtziger Jahren verringert habe. „Ein seit Beginn der Waldschadensproblematik durchgängig umgesetztes Programm zur Bodenschutzkalkung zeigt eine meßbare Verbesserung der Filter- und Pufferleistung der so behandelten Böden“, so Hauck. In der Badischen Zeitung wurde er nun mit den Worten zitiert, die „Haushaltslage“ lasse „nicht zu“, im bisherigen Umfang Waldkalkungen vorzunehmen. Darüber zeigt sich Forstkammer-Präsident Max Graf – vorsichtig formuliert – nicht begeistert. Als Trost verspricht Hauck jedoch, daß mehr Geld bei Bauvorhaben des Landes in nachwachsende Rohstoffe investiert werden soll. Dem Wald, der akut Hilfe braucht, wird das aber nichts nützen. Da wird im Vorwort zum Waldschadensbericht die Gemeinwohlleistung des Waldes gepriesen, und dann bleibt Geld vor allem für Vorzeigeprojekte im Bausektor übrig. Angesichts gestiegener Steuereinnahmen wird das nicht nur ein Forstkammer-Präsident für abwegig halten.

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