Joachim Kuhs

 

Geschmacklose Bananenrepublik

Das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation (WTO) hat den von der EU angestrebten Importzoll für lateinamerikanische Bananen in Höhe von 187 Euro pro Tonne als unerlaubt hoch zurückgewiesen. Ursprünglich hatte die EU 230 Euro gefordert, die Bananenproduzenten aus den AKP-Staaten – meist ehemals französische Kolonien in Afrika, in der Karibik und im Pazifik – sogar 275 Euro Schutzzoll. Ihnen gewährt die EU bereits ein zollfreies Jahreskontingent von 775.000 Tonnen. Die lateinamerikanischen Bananen unterlagen bisher einem Zoll von 75 Euro je Tonne. Die Ursache für die Diskriminierung der Bananenlieferanten ist offensichtlich. Lateinamerikanische Bananen schmecken dem deutschen Kunden besser, AKP-Bananen sind weniger begehrt. Die EU will deshalb den AKP-Produzenten mit Gewalt zum Absatz ihrer Produkte verhelfen. Die rüdeste Methode: Die „guten“ Bananen werden durch Zölle staatlich verteuert, damit die „schlechten“ wenigstens relativ preiswert erscheinen. Grundsätzlich verbieten kann die Europäische Union den Import der besser schmeckenden Nicht-AKP-Bananen nicht. Das verstieße nicht nur gegen das WTO-Abkommen, sondern hätte im Gegenzug auch Importverbote von EU-Waren zur Folge. Daher muß eine „Feinsteuerung“ mit mittleren Zollsätzen und Zollkontingenten erfolgen – bis die Schmerzgrenze der WTO erreicht ist. Solange der Zoll als Schutz dient, um Zeit zu gewinnen, in der die begünstigten Produzenten den Qualitätsrückstand aufholen können, ist das System noch halbwegs nachvollziehbar. Davon ist aber seit Jahren nichts zu bemerken. So bleibt der Eindruck, die EU-heimische Bananenmafia erhalte weiter die Lizenz zum Abkassieren.

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