Unvergleichbare Lebensverhältnisse

Bundespräsident Horst Köhler hat das Ziel gleicher Lebensverhältnisse in ganz Deutschland in Frage gestellt. Die Menschen müßten sich mit Unterschieden zwischen Nord und Süd wie zwischen West und Ost abfinden. Wer dies einebnen wolle, „zementiert den Subventionsstaat und legt der jungen Generation eine untragbare Schuldenlast auf“. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hält dem entgegen: „Das Grundgesetz gibt das Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse vor, an dem wir festhalten sollten.“ Sein Thüringer Amtskollege Dieter Althaus (CDU) sekundiert: „Die Schere zwischen den alten und den neuen Bundesländern muß geschlossen werden.“ Die PDS bringt die Sache der Kritiker auf den Punkt: „Köhler darf die Ostdeutschen 15 Jahre nach der Wende nicht im Regen stehenlassen.“ Gemeint ist stets der finanzielle Aspekt. „Gleichwertige Lebensverhältnisse“, die „geschlossene Schere“, „im Trockenen stehen“ meint stets gleiches Einkommen, egal ob dies an den gleichen Arbeitslosenquoten oder gleichen Tarife gemessen oder durch Transferleistungen des Staates erzeugt wird. „Gleichwertige“ Lebensverhältnisses bedeutet jedoch mehr. Die Wertigkeit der Lebensumstände ist komplex und beinhaltet nicht nur das materielle Einkommen, sondern auch immaterielle Werte wie Heimat, Freunde, vertraute Umgebung und vieles mehr. Die Möglichkeit, diese Werte zu erhalten, stellt Lebensqualität dar. Wer seine Heimat wegen besserer Verdienstmöglichkeiten verlassen will oder zu müssen meint, mißt der materiellen Verbesserung einen höheren Stellenwert bei. Die individuelle Werteabwägung ist der Preis der Freiheit – alles zu wollen und andere bezahlen zu lassen, Sozialismus wie gehabt.

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