Ostflucht der Arbeitsplätze

Die deutsche Weltfirma Siemens kündigt an, im Zuge der EU-Osterweiterung umfangreiche Kapazitäten in der Software-Entwicklung, Fertigung und Buchhaltung aus Deutschland auszulagern. Johannes Feldmayer, der Strategiechef des Technologiekonzerns, rechnet damit, daß die Beitrittsländer demnächst ein Drittel der Entwicklungsarbeiten für Siemens erbringen. Siemens will dabei von dem starken Wachstum dieser Region mit niedrigem Lohnniveau bei bestens ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern profitieren. Auch andere Konzerne folgen diesem Trend und gehen sogar noch weiter. Beispielsweise will der Softwarehersteller SAP große Teile seiner Entwicklung, Buchhaltung und Kundenbetreuung verstärkt nach Rußland, Indien und China verlagern. Die Auswirkungen dieser Strategie auf den deutschen Arbeitsmarkt sind bereits jetzt abschätzbar. Allein Siemens wird zirka 10.000 Mitarbeiter in Deutschland entlassen. Die Zeiten, in denen China allein zur Produktion billiger Plastikartikel herangezogen wurde, sind endgültig vorbei. Tschechische Buchhalter sind mindestens genauso gut wie deutsche, aber erheblich billiger. Das nutzt seit geraumer Zeit auch der Bankensektor aus. Dabei handelt es sich nicht um Outsourcing, also die Vergabe von Aufträgen an betriebsfremde Firmen, sondern um die Versetzung von Firmenbereichen. So etwas kann durchaus auch rückgängig gemacht werden – wenn sich in Deutschland die Rahmenbedingungen ändern. Da muß aber nicht nur die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik berichtigt werden. Ausbildung, Arbeitsmentalität und Lohnansprüche stehen jetzt in direktem Wettbewerb. Da müssen sich die Deutschen warm anziehen.

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