Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Ökologie ohne Mitläufer

Zu einem Mitläufer wird man, wo es einem schlechtgeht und man sich auf der anderen Seite eine Besserung erhofft. So lassen sich die Erinnerungen einer ganz gewöhnlichen, 1915 geborenen Mitläuferin (Lotte Lohde: Wir Mitläufer, JF 21/04) zusammenfassen. Die Ökologie finde hingegen kaum Mitläufer, weil sie nicht materiell ein Mehr verspricht, sondern ein Weniger abverlangt. „Der Liebe Gott muß immer ziehen, dem Teufel fällt’s von selber zu“, schrieb Wilhelm Busch. Mitläufer fanden die Grünen dann aber doch, nur mit ihrem aus der CDU gekommenen Verzichtsprediger Herbert Gruhl kamen sie nicht klar. Denn Ökologie sollte mit einem Mehr an Haben zu haben sein, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Das heißt uneingestandenermaßen mehr Umverteilung auf der Grundlage von Wirtschaftswachstum. Eine trügerische Scheinökologie ist das, die aber um so mehr Anhänger fand. Warum ist dann aber Gruhl nicht gleich aus der Umweltpartei ausgetreten, nachdem sein Standpunkt unter Bunten und Roten bald ins Hintertreffen geriet? Lotte Lohde war 1980 dabei und erinnert sich an ein persönliches Gespräch mit Gruhl. Er wollte angeblich den Grünen nicht die Wahlaussichten verderben. So sind eben gütige Menschen, gedankt wird einem so etwas sicher nicht. Aus der zeitlichen Distanz fällt eine Würdigung dann aber leichter, hofft Lohde. Einzelne kluge Geister wie der Grünenpolitiker Reinhard Loske sind da schon heute sehr weit und sehen in Gruhl laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung vom 13. Juli 2003 ein „Solitärgewächs“, also einen seltenen Edelstein. Menschen, die sich gegen alle Mitläufer behaupten, sind in der Tat so selten wie vorbildlich.

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