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Nicht den Anschluß verpassen

Etwa 1,5 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Umwelt-schutz. Seit 1998 sind hier 47.000 Arbeitsplätze entstanden. Das behauptete im April 2004 die Studie „Jobmotor Umweltschutz“ des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes (UBA). Jetzt konterte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Schönfärbung, Übertreibung, willkürliche Berechnung. Denn in der Zeit zwischen 1998 und 2002 seien nicht nur neue Stellen entstanden, sondern auch bis zu 35.000 Stellen weggefallen. Die Kontroverse, ob die Umwelt nicht nur Geld kostet, sondern auch Arbeit schafft, ist so alt wie der Umweltschutz selbst. Seit der Begriff environmental protection in den sechziger Jahren erstmals in der deutschen Arbeitswelt aufgetaucht ist, wird debattiert, ob Ökologie mehr Stellen schafft oder vernichtet. Der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erstellten UBA-Studie zufolge verlieren klassische Umweltschutzbereiche wie Lärmbekämpfung, Abwasser- und Abfallwirtschaft zwar an Bedeutung. Dafür gebe es aber mehr Stellen bei umweltorientierten Dienstleistungen und im Bereich erneuerbare Energien, der 2002 allein 118.700 Beschäftigte zählte. Zwischen 1998 und 2002 seien beim Export von Umwelttechnologien 25.000 und in umweltbezogenen Dienstleistungen wie Energie- und Gebäudemanagement 22.500 Arbeitsplätze entstanden. „Die in der Studie aufgelisteten Arbeitsplätze sind nur die Untergrenze der tatsächlichen Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes“, erklärte UBA-Präsident Andreas Troge. „Eine Reihe von Branchen haben wir wegen der Abgrenzungsprobleme oder fehlender Datengrundlagen bewußt nicht einbezogen.“ Dazu zählten umweltorientierte Versicherungsdienstleistungen oder auch der Ökotourismus. Eisenbahner und Gärtner als Umweltschutzarbeiter Verstärkung bekommt Troge von einer EU-Studie aus dem Jahr 1999, die als deutscher Nationalbericht erschien und in der der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) von über 2,5 Millionen Umweltarbeitsplätzen ausgeht. Die weit gefaßte Definition von Umweltschutz erschwert eine klare Erfassung. Kann man einen Bahn-Angestellten den Beschäftigten im Umweltschutz zuordnen? „40.000 Bahn-Mitarbeiter sowie Schornsteinfeger und Angestellte in botanischen Gärten und Zoos sind dem Umweltschutz zugerechnet, obwohl das nicht ihre Haupttätigkeit darstellt“, kritisiert das IW. Das aber haben die Auftraggeber der Studie nie behauptet. Die Stellen würden prozentual nur soweit dem Umweltschutz zugeordnet, wie es dem Anteil umweltbezogener Tätigkeit an ihrer Tätigkeit insgesamt entspreche; und das waren im Fall der Bahn gerade einmal zwanzig Prozent, Zoo- und Gärtenangestellte gingen in die Statistik überhaupt nicht ein. „Die Zuordnung der Beschäftigten im Umweltschutz ist nicht willkürlich. Sie folgt internationalen Konventionen“, versichert UBA-Chef Troge. Dabei spielten international gültigen Vorgaben eine Rolle, wie sie von der OECD oder Eurostat (1999) kommen. Selbst wenn die Zahlen und Zuordnung korrekt und legitim sind, bleibt immer noch der Einwand des IW, daß Umweltschutz – durch hohe Umweltauflagen und Produktionsteuerungen – auch Arbeitsplätze vernichtet. „Erst ab 2020 ist mit positiven Netto-Beschäftigungseffekten zu rechnen“, meint das IW und bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie des Bremer Energie-Instituts. Demnach könne es durchaus passieren, daß kurz- und mittelfristig Stellen durch den Ausbau und den Betrieb erneuerbarer Energien wegfallen. Daß der Umweltschutz ein immer größerer Arbeitgeber wird, daran glaubt selbstverständlich Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Der Grüne spricht von „bedeutenden Innovationspfaden“ bei erneuerbaren Energien, modernen Umweltdienstleistungen und dem Export von Umweltschutztechnik. Tatsächlich profitieren Bereiche wie Abfallentsorgung und Luftreinhaltung davon, daß die deutsche Ingenieurskunst weltweit geschätzt wird. Wahr ist aber auch, daß der nachsorgende Umweltschutz auf dem Rückzug ist und Technologien von morgen gefragt sind; und zwar solche, die sich bereits an einer ökologischeren Wirtschaftsweise (etwa Energiemanagment) und der Form des integrierten Umweltschutzes orientieren. Hier besteht aber die Gefahr, daß Deutschland den Anschluß verpaßt, wenn es nicht rechtzeitig in umweltorientierte Branchen investiert: 2004 beträgt der Verteidigungsetat 24,06 Milliarden Euro, der Umweltetat 790 Millionen Euro. Bleibt die Frage: Ist die UBA-Studie und deren Verteidigung (im Internet unter www.umweltbundesamt.de und www.iw-koeln.de ) vielleicht doch nur ein Versuch der rot-grünen Bundesregierung, ihre Politik gesundzurechnen? Und muß der Umweltschutz als Schrittmacher dazu herhalten? Das Argument, daß Deutschland wettbewerbs- und innovationsfähiger werde und dadurch neue Arbeitsplätze schaffe, wenn man nur die ökologische Modernisierung vorantreibt, ist häufig zu hören. Aber nur weil etwas oft genug in den Medien heruntergebetet wird, muß es nicht auch wahr sein. Fest steht – Umweltschutz ist wichtig und bedeutet mehr Lebensqualität, ein Heilmittel für andere ungelöste Probleme ist er aber nicht.

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