„In die Köpfe investieren“

Der Konsum von natürlich erzeugten Lebensmitteln erfor-dert mehr als nur gutes Marketing. Wer „Bio“ ißt, sieht die Welt mit anderen Augen. Zwar reden die Parteien, die das C für „christlich“ im Namen führen, viel von der zu „bewahrenden Schöpfung“, aber leider mußte erst eine Linke das Landwirtschaftsministerium übernehmen, damit der ökologische Landbau kräftig angekurbelt wird. „In die Köpfe investieren“ lautet das Motto eines Aktionsprogramms, um das ökologische Bewußtsein bei Produzenten und Verbrauchern zu stimulieren. Denn der natürliche Landbau soll von derzeit 3,2 Prozent der gesamten Nutzfläche auf sagenhafte 20 Prozent aufgestockt werden. Ein stabiles Wachstum ist schon jetzt zu beobachten: 1999 gab es 9.213 Bauern, die auf 416.500 Hektar ohne chemische Dünger (und Gifte) wirtschafteten – 2002 hatten sich schon 14.703 Landwirte mit 632.000 Hektar für diesen Anbau entschlossen. Dabei ist jedem völlig klar, daß die weitere Ökologisierung der Landwirtschaft nur dann erfolgreich sein kann, wenn der Verbrauch der erzeugten Produkte ebenfalls zunimmt. Wenn mal wieder ein Lebensmittelskandal ruchbar wird, steigt der Bio-Verbrauch zwar sprunghaft an, aber wenig später greift Otto Normalverbraucher wieder zum ungesunden Industriefraß. Der ist eben billiger. In Zeiten einer tendenziell verarmenden Mittelklasse wird der Preis noch entscheidender. Und genau hier liegt das Problem: In einer entsolidarisierten „Bevölkerung“ mit einer enthemmten kapitalistischen Wirtschaftsweise herrscht die unheilige Allianz von Preisdruck und Profit. Solange sich hier nicht die Parameter ändern, müssen alle Bio-Aktionsprogramme vergebliche Liebesmüh bleiben.

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