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Es lebe das Glücksschwein

Heute möchte niemand mehr ein Huhn sein, wie das die „Comedian Harmonists“ in den „goldenen“ zwanziger Jahren noch besangen. Nutztiere haben aber auch im Zeitalter der Massentierhaltung ihre alte Symbolkraft noch nicht eingebüßt. Zur Jahreswende konnte man das mit einem Glücksschweinchen vom Konditor erfahren. Vielleicht galten Schweine einmal als beneidenswert glücklich, weil sie sich nach Lust und Laune im Schlamm wälzen konnten und sich um alles andere einen Dreck zu kümmern brauchten. Doch so ein Schweineleben ist nur noch selten anzutreffen. Ganz andere Meldungen kommen heute auf den Tisch eines Journalisten, etwa im Dezember vom Informationsdienst Wissenschaft: „Die Trennung von der Mutter kann Ferkel krank machen.“ Gemeint ist: „daß die gängige Praxis, junge Ferkel nach drei bis vier Wochen abrupt von der Mutter zu trennen, zu Streß bei den Jungtieren führt und ihr Immunsystem schwächt.“ Dabei böten moderne tierfreundliche Haltungssysteme realistische Alternativen. Doch dem steht gewöhnlich der Preiskampf im Wege. Verbraucher könnten Einfluß nehmen, indem sie, wenn überhaupt, nur Biofleisch kaufen. Denn um glücklich zu sein, ist nicht nur die Quantität, also die erbeutete Masse wichtig, die sich in den Statistiken für das sogenannte Wirtschaftswachstum niederschlägt, sondern vor allem das, was nicht „meßbar“ ist, aber zufrieden macht: ein sinnerfülltes Leben mit Mitmenschen und Mitgeschöpfen. Freut sich das Tier, freut sich der Mensch. Doch Millionen von Tieren freuen sich nicht. Glücklicher sind die Deutschen in den letzten Jahrzehnten trotz ihres gesteigerten Bruttosozialprodukts dann auch nicht geworden. Das sollte für das neue Jahr zu denken geben.

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