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Es fehlen positive Nachrichten

Voraussagen sind schwer – speziell, über die Zukunft“, sagte einst Nils Bohr. Kaum hat das neue Jahr begonnen, wetteifern Banken und Analysten wieder einmal mit Prognosen für das noch junge Börsenjahr. Nach drei Jahren Talfahrt, verbunden mit einer kritischen Weltwirtschaftslage, hoffen Anleger, Firmen und rezessionsgebeutelte Arbeitnehmer auf den versprochenen Aufschwung. So mag es kaum verwundern, daß die Geldinstitute unisono vornehmlich positive Vorhersagen abgeben – oder sich, einem ungeschriebenen Fraktionszwang folgend, zumindest verhalten oder gar nicht äußern. Stecken doch gerade sie in einer der schwersten Krisen in der Geschichte ihrer Zunft. Vor dem Hintergrund, daß die deutschen Banken europaweit die niedrigste Profitabilität aufweisen, brechen zudem zunehmend die Erträge weg. Abermals gesenkte Leitzinsen, notleidende Kredite verbunden mit traurigen Rekorden bei Bilanzierungsskandalen und Insolvenzen und immer zögerlicheren Kreditvergaben an Unternehmens- und Privatkunden sorgen für sinkende Gewinne, treiben den Bankenvorständen die Sorgenfalten ins Gesicht und Belegschaft und Aktionären die blanke Wut. Da die Banken ihre Kreditmittel großenteils refinanzieren, müssen sie zusätzlich, bedingt durch ihre rapide verschlechterten Bonitätsbewertungen, höhere Zinsen in Kauf nehmen, was ihre Margen abermals drückt. Die Triebfeder der Wirtschaft und gleichzeitiger Dukatenesel der Kreditinstitute, das Aktien- und Wertpapiergeschäft (machte in der Regel bis zu 50 Prozent der Erträge aus), hat wohl den meisten Sand im Getriebe. Ebenfalls ist das lukrative Geschäft mit der Begleitung bei Börsengängen und Neuemissionen nahezu versiegt, das Gros wurde gestoppt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Seit langem vertrauen Börsenkenner nicht mehr den euphorischen Prognosen der Wertpapierhändler, zumal eigennützige Praktiken bei Kaufempfehlungen und Analysteneinschätzungen einschlägig bekannt sind und noch viel zu wenig publiziert werden müssen – Stichwort Insidergeschäfte. Mitarbeiter und Filialnetze als „Kostentreiber“ Besonders problematisch erscheint dies angesichts der Tatsache, daß die Banken (intern) nahezu geschlossen ihre Finanzen und Risikovorsorgen auf sinkende Aktienstände ausrichten! Gleichzeitig entledigen sie sich massenweise ihrer „Kostentreiber“, nämlich ihrer Mitarbeiter und dichten Filialnetze. Auch normalsituierte Privat- und Geschäftskunden werden abgestoßen und vergrault, gesunde Erträge erwirtschaften dennoch nur wenige Institute. Bei den Versicherungen sieht es ähnlich aus, zusätzlich haben sie noch mit den gehäuften Naturkatastrophen und beängstigend geschmolzenen Rückstellungen zu kämpfen. Viele von ihnen hätten von daher nach geltenden Gesetzen eigentlich längst geschlossen oder fusioniert werden müssen. So schließen sich in steigendem Maße viele Assekuranzen zu Sicherungsfonds zusammen und senken ihre Renditen in Form von Überschußbeteiligungen. Der große Geldsegen durch die „Riester-Rente“ und private Altersvorsorge ist bislang auch ausgeblieben. Doch ebenso die Gewerkschaften, die in diesem Zusammenhang auf einen Ansturm auf ihre Pensionsfonds spekulierten, gehen durch die Verunsicherung der Verbraucher leer aus. Ein Teil dieser Unsicherheit, so wird allgemein vermutet, ist durch subtil gestreute Fehlinformationen hausgemacht. Die Macht durch die in den Pensionsfonds enthaltenen Aktien und damit verbundener Stimmrechte lockte wohl zu sehr. Andererseits belasteten die Gewerkschaften den Aktienmarkt mit fortwährenden Streikandrohungen. Was liegt nun folglich für die Bankiers näher, als 2003 wieder zu versuchen, eine angeblich kommende Hausse am Aktienmarkt herbeizureden, um zumindest im Vorfeld den drohenden Irak-Krieg und damit vorgezeichneten „Bärenmarkt“ ein wenig abzumildern? Viele Branchenkenner (und Banken hinter vorgehaltener Hand) prophezeien für das Frühjahr einen DAX-Stand von 2.200 Punkten – also weniger als ein Drittel gegenüber dem historischen Höchststand vom 7. März 2000 mit 8.136 Punkten – und 3.200 zu Jahresende, während die Financiers zum Jahresende offiziell Kursziele bei 3.800 bis 4.400 Zählern propagieren. Mit dem für 2003 wohl zu erwartenden Tief dürfte dann allerdings tatsächlich die Talsohle erreicht sein, von der an es verhalten wieder bergauf gehen muß. Was Wirtschaft und Börsen fehlt, sind stichhaltige positive Nachrichten und neue Wachstumsimpulse, da die Stimmung – durch die derzeitige Wirtschafts- und Abgabenpolitik geschürt – hierzulande zur Zeit eher schlechter als die Realität ist. Daher hört man vom Phänomen „Angstsparen“ – also dem volkswirtschaftlich betrachtet übertrieben Konsumverzicht – welches die Wirtschaft zusätzlich belastet. Dem Sparer und Anleger seien in diesem Zusammenhang trotzdem erst einmal die konservativen Finanzinstrumente empfohlen, wie das gute alte Sparbuch, jedoch auch mindestens ebenso sichere, höherverzinste Alternativen wie Renten- und offene Immobilienfonds, welche im letzten Jahr einen regelrechten Boom erlebten. Die Anlage in Aktien sollte daher vorerst gemieden werden, es sei denn man geht gemäß einer Taktik namens „Guerilla-Investing“ folgend nur schnell und partiell vor, wovon jedoch weniger Erfahrenen abgeraten sei – oder man zielt mit einem langen Sparplanhorizont in eine weite Zukunft. Kurzum: Ein spannendes und bewegtes Jahr steht bevor, mit einem sich immer deutlicher abzeichnenden Konsolidierungskurs in der Hochfinanz, damit einem längst überfälligen Aufschwung hoffentlich ein solides Fundament gesetzt werden kann.

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