Endlich die Welt heilen

Die Literatur zur Zukunft der Menschheit wächst längst nicht mehr so üppig wie noch vor 20 Jahren. Im Grunde ist alles schon gesagt, doch der Arzt Ruediger Dahlke fragt jetzt im Taschenbuchformat: „Woran krankt die Welt?“ Und in der Tat kann es nicht schaden, ein Thema in Erinnerung zu rufen, das vor lauter Sorge um Rezession und Arbeitsplätze unter die Räder gekommen ist. „Fortschrittsmythen gefährden die Zukunft“, schreibt Dahlke. Wie ein Krebsgeschwür wachsen Wirtschaft und Bevölkerung. Auch Ballungsräume wuchern aus Sicht eines Krebsforschers mehr, als daß sie wachsen würden. Raubbau ist die Folge ungebremsten Wachstums. Moderne Mythen der Konsumgesellschaft heizen dieser Entwicklung noch ein. Richtig – aber was folgt daraus, 30 Jahre nach der ersten Suche nach Auswegen? Hat jetzt jemand eine Lösung gefunden? Dahlke empfiehlt weniger Glücksverheißung in Geld und Zins, dafür mehr Suche nach einem sinnerfüllten Leben. Auch von einem Wertewandel wird gesprochen. Echte Wachstumschancen lägen im Bereich der Persönlichkeit. Damit bietet der Autor eigentlich substantiell nichts Neues auf. Schön aber, daß sich jemand die Mühe macht, noch einmal populär aufzurollen, was alles schon geschrieben wurde, hier nur mit ein paar Fakten aus der Gegenwart mehr – bis hin zu den Ereignisse vom 11. September 2001, die als eine Folge der von Ökologen vorhergesehenen Eskalation der Völker angesehen werden. Geändert hat sich in den vergangenen Jahren vor allem der Ton. Davon, daß mit Aktivismus schnell die Welt zu retten sei, ist kaum noch die Rede. Was dem Leser bleibt, ist der Eindruck, daß Besinnung auf das Wesentliche sinnvoll ist, sich diese aber in Grenzen hält.

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