Essen nach Punkten

Natürlich ist es so, wie sich das die meisten Leser vorstellen: Die Gespräche in der Redaktion kreisen um die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Da werden leidenschaftlich die Leistungen der Bundesregierung diskutiert und die Folgen der demographischen Krise erörtert. Nur manchmal mischt sich ein wenig Fußball in die Unterhaltungen. Seit einigen Wochen jedoch widmen sich zwei Kollegen hingebungsvoll einem neuen Thema. Die beiden haben sich unabhängig voneinander dazu entschlossen, ihr Gewicht zu reduzieren. Helfen soll dabei eine sogenannte Punktediät, bei der alle Lebensmittel je nach ihrem Nährwert mit Punkten versehen werden. Pro Tag darf nur eine bestimmte Punktezahl „verzehrt“ werden, und schon klappt es mit dem Waschbrettbauch – so die Hoffnung der beiden. Daraus ergibt sich, zum Erstaunen der anderen Kollegen, ein schier unerschöpflicher Vorrat an Gesprächsthemen, die mit dem gebotenen Ernst diskutiert werden. So wird etwa vor dem täglichen Gang in die Kantine fachmännisch die Punktezahl der angebotenen Gerichte berechnet. Mit dem Ergebnis, daß zumindest ein Kollege jetzt häufig den Eintopf wählt, wozu sich der andere trotz aller guten Vorsätze nur schwer durchringen kann. In einem sind sich beide aber einig: Mettbrötchen gehen (derzeit) gar nicht.

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