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Der Traum ist nicht zu Ende

Der Wahnsinn ist noch nicht zu Ende: Deutschland hat zwar das Halbfinalspiel gegen Italien verloren. Dennoch steht ganz Deutschland kopf. Der Kleinmut und Pessimismus, der diese Republik lähmte, ist wie weggefegt. Eine noch nie gekannte patriotische Begeisterung hat in den vergangenen Wochen das ganze Land erfaßt. Ohne die sonst übliche Verklemmtheit und das Herumgedruckse steht Deutschland endlich einmal fröhlich zu sich selbst, seinen Symbolen, seinen „Jungs“, die das Land im sportlichen Wettkampf vertreten. Mittlerweile sind sich alle Kommentatoren einig darüber, daß der patriotische Taumel, der überall im Land herrscht, nicht nur reiner Partylaune entsprungen ist. Es gibt unübersehbare Indizien, die diese nationale Begeisterung zu einem Politikum machen. Deutschland schwimmt sich seelisch frei. Deutscher zu sein, ist keine Erbkrankheit oder lästige Hypothek – es ist plötzlich etwas, worauf man stolz sein kann, ohne daß dies ins gegenteilige Extrem umschlüge. Es wirkt, als seien Politiker überrascht vom patriotischen Überschwang. Ja, es entsteht eine Irritation darüber, was von einem Souverän zu erwarten ist, dessen Selbstbewußtsein ständig wächst. Werden sich die Deutschen weiter von einer mittelmäßigen Truppe regieren lassen wollen, die das Land gegen die Wand fährt? Die Begeisterungsfähigkeit, die ein Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf seine Mannschaft und das ganze Land übertragen hat, schreit geradezu danach, Lehren in der Politik folgen zu lassen. Haben sich nicht auch hier verschlafene, denkfaule Funktionäre breitgemacht, die sich notwendigen Reformen in eigener Sache widersetzen? Nach dem Ende der WM werden sicherlich viele schwarz-rot-goldene Fahnen eingerollt und eingemottet. Die schwarz-rot-goldene Schminke wird auf den Wangen der Mädchen verblassen. Mancher wird den Text der Nationalhymne wieder verlernen. Folgenlos wird diese einmal ausgelebte und von der überwältigenden Mehrheit des Volkes getragene nationale Begeisterung aber nicht bleiben. Die WM 2006 wird mehr sein als das neudeutsche Woodstock-Erlebnis der heutigen Generation. Lehrer werden sich auf ganz veränderte Weise den Fragen von Schülern stellen müssen, die sich mit einer antinational-depressiven Geschichtserzählung nicht weiter abspeisen lassen wollen. Dem patriotischen Gefühl wird die nationale Erkenntnis folgen müssen. Deutschlands nationale Renaissance ist weit fortgeschritten. Wie sehr sich der Wind gedreht hat, ist alleine an dem Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu sehen. Einst antinationales Sturmgeschütz, in dem lediglich der altersweise gewordene Rudolf Augstein in hellen Momenten positive Nationalgeschichte wiederentdecken durfte, hat jetzt der Kultur-Ressortleiter Matthias Matussek ein Manifest des neuen Nationalstolzes hervorgebracht: „Wir Deutschen – Warum die anderen uns gern haben können“. In der aktuellen Ausgabe schildert ein Spiegel-Redakteur, wie seine neunjährige Tochter ihn als nationsvergessenen Vater überzeugt, eine deutsche Fahne ans Auto zu montieren. Ein saukomisches Dokument des neuen Zeitgeistes. Was singt Grönemeyer? Zeit, daß sich was dreht …

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