Christenverfolgung

Achtung und Respekt vor dem Glauben anderer ist gut und kann entscheidend zur Beruhigung der aufgeheizten Gemüter beitragen. Aber was gegenüber Muslimen gilt, muß selbstverständlich auch gegenüber Christen gelten. Und da gibt es Anlaß zu größter Sorge. Denn was in den letzten Tagen aus muslimischen Ländern an im Zuge des „Karikaturenstreits“ verübten Gewalttaten an christlichen Minderheiten bekanntgeworden ist, trägt mancherorts bereits Züge systematischer Christenverfolgung. Die westlichen Regierungen dürfen das nicht länger schweigend hinnehmen. Im Norden Nigerias massakrierten Demonstranten achtzehn autochthone Christen, darunter drei Kinder und einen katholischen Priester. Die Opfer wurden entweder erschlagen oder mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt. Kirchen wurden angezündet, von Christen betriebene Läden gestürmt und verwüstet. Auch im Süden Pakistans brannten muslimische Randalierer zwei Kirchen und eine christliche Schule nieder. Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen beschuldigte inzwischen die nigerianische Regierung der direkten Verantwortung für die neuerlichen antichristlichen Gewalttaten. Der Karikaturenstreit werde zum Vorwand genommen, um den seit langem schwelenden Streit der Ethnien anzuheizen und christlich geprägte Volksstämme zu entrechten und zu dezimieren. Ethnische Verfolgung vermische sich unentwirrbar mit religiöser. Böse Nachrichten schließlich aus Palästina. In Bethlehem wurde zum Boykott christlicher Geschäfte aufgerufen oder von deren Inhabern in gröbster Weise und unter dem Beifallsjohlen der aufgeputschten Menge die sofortige Zahlung von „Schutzgeldern“ erpreßt. Kein christliches Mädchen wagt es in Bethlehem mehr, ohne Kopftuch oder gar mit einem Kreuz um den Hals auf die Straße zu gehen. Dennoch verharmlosen manche christlichen Kirchenführer auch jetzt noch die Leiden ihrer Gemeindemitglieder, sei es aus palästinensischem Nationalismus, sei es, weil sie weiter Zugang zu den Medien und zu Reisegenehmigungen erhalten wollen. In der Türkei, die von manchem deutschen Politiker als angeblich bestens geeigneter Vermittler im Karikaturenstreit angerufen wird, wächst derweil die antichristliche Stimmung vehement, eindeutig von oben inspiriert und angeleitet. Keine christlich-orthodoxen Priester dürfen in dem Land mehr ausgebildet werden. Die Errichtung christlicher Kirchen ist generell verboten, während mit saudiarabischem Geld beinahe in jedem Dorf eine neue Moschee gebaut wird. Von einem „Kampf der Kulturen“ à la Huntington zu sprechen, wäre trotzdem verkürzt, denn „gekämpft“ wird hier nur auf einer Seite, auf der muslimischen nämlich. Wie die Reaktion des Westens darauf aussieht, demonstriert auf deprimierende Weise eine Anfrage des christlich-koptischen Generalbischofs für Deutschland, Anbah Damian, bei der Stadt Stuttgart. Er wundere sich, so der Bischof, warum sich Stuttgart finanziell am Bau einer neuen großen Moschee in Kairo beteilige. Die dortigen Christen brauchten das Geld doch viel dringlicher. Christen in Pakistan foto: DPA

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