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Auf der Suche nach Gewalt

Ab dem 9. Juni schaut die Welt auf Deutschland. Die Fußball-Weltmeisterschaft steht uns bevor. Laut Experten werden zwischen drei und viereinhalb Millionen Besucher kommen. Und der „normale“ Anhänger der deutschen Nationalmannschaft stellt einige Vorüberlegungen an: Wo sieht man sich die Spiele an? Mit ein paar Freunden zu Hause vor dem Fernseher – oder doch besser mit anderen Gleichgesinnten in einem Biergarten? Jedoch plagen die Organisatoren der WM 2006 andere Sorgen. Der Weltfußballverband FIFA als Veranstalter, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Ausrichter sowie die Polizeibehörden unter Leitung des Innenministeriums treffen Vorbereitungen, um das Fußballfest vor sogenannten Hooligans zu schützen. Denn neben Terroranschlägen ist die Bekämpfung der Hooligans während der WM für die deutschen Behörden eine der größten Herausforderungen. Drohender „Tourismus“ polnischer Hooligans In nahezu allen europäischen Ländern ist das Phänomen des Hooliganismus bekannt: Die Hooligans (kurz: Hools) eines Fußballvereins verabreden sich mit den Hools des gegnerischen Fußballvereins und prügeln sich. Bei Länderspielen ist nicht mehr die Zugehörigkeit zu einem Verein entscheidend, hier treffen die Hooligans eines Landes auf die des gegnerischen Nationalteams. Oftmals geraten jedoch auch Unbeteiligte oder Polizisten in die Schlägereien mit den Gewalttätern. Erinnert sei an die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich: Dort verletzten deutsche Gewalttäter nach dem Spiel gegen Jugoslawien in Lens den französischen Polizisten Daniel Nivel bei einer Straßenschlacht so schwer am Kopf, daß dieser Zeit seines Lebens behindert sein wird. Die Behörden befürchten nun, daß auch in Deutschland solche Straßenschlachten stattfinden könnten. Und diese Befürchtungen haben sie nicht zu Unrecht. Längst sind es nicht mehr nur die als „gut gelaunt“ umschriebenen Engländer oder die als „Völkerwanderung“ auftretenden Holländer, die Stadienbesucher das Fürchten lehren, sondern die einst als „brav“ eingestuften deutschen Fans „mischen“ in und um die Arenen „auf“. Da zur bevorstehenden WM nicht nur die Welt zu Gast bei Freunden sein wird, ist jedoch zu befürchten, daß ausländische Hooligans nach Deutschland einreisen werden. Denn die Fußball-WM ist der Höhepunkt für diese Art von Schlägern. Deshalb warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schon seit langem vor möglicher Gewalt und Provokation durch Hooligans. Gewalttätige Fußballfans aus Polen, den Niederlanden und Großbritannien könnten „vor allem in den Innenstädten der Austragungsorte für große Probleme sorgen“. Vor allem bei den polnischen Fußball-Anhängern sei das Gewaltpotential extrem hoch. Gerade aus unseren östlichen Nachbarländern, allen voran aus Polen, könnte ein „Hooligan-Tourismus“ auf uns zukommen. Polen hat als einziger WM-Teilnehmer bisher keine Fernsehrechte für die Übertragung der Spiele erworben. Deswegen werden bis zu 300.000 polnische Besucher während des Turniers nach Deutschland reisen. Denn die wahren Fußball-Fans aus dem Nachbarland haben keine andere Möglichkeit, sich die Spiele anzusehen. Die GdP rechnet mit rund 3.000 gewaltbereiten polnischen Schlachtenbummlern. Allerdings wurden von einigen Medien unter Berufung auf Polizeikreise bis zu 20.000 polnische Hooligans vorausgesagt. Doch die Gefahr gewalttätiger Auseinandersetzungen hat noch weitere Hintergründe: Am 14. Juni treten in Dortmund die deutsche und die polnische Nationalmannschaft in der Vorrunde gegeneinander an. Bekannte, registrierte Hooligans können keine Eintrittskarten für Fußballspiele erwerben. So wird erwartet, daß statt dessen sich viele die Spiele auf Großleinwänden in grenznahen Städten bei sogenannten „Public-Viewing-Veranstaltungen“ anschauen werden. Und dort könnte eine Fortsetzung finden, was schon im Jahr 2005 begann: Im November hatten sich je fünfzig polnische und deutsche Hooligans zu einer Massenschlägerei in einem Wald bei Briesen in Brandenburg verabredet. Als das Berliner Sondereinsatzkommando eintraf, hatten die bestens vorbereiteten Polen die Deutschen schon besiegt. Angeblich sind bei dieser „Drittortauseinandersetzung“ die Polen als Sieger vom Platz gegangen. Die Polizei vermutete schon damals, daß bei dieser Auseinandersetzung sich zeigen sollte, wer bei der WM 2006 das Sagen in der internationalen Fußballszene haben wird. Daß die polnischen Hooligans die „Schlacht“ gewannen, kam nicht von ungefähr: Jedes Wochenende prügeln sich Hunderte junge Männer aus der sozialen Unterschicht rund um die polnischen Stadien. Anders als westeuropäische Hools benutzen sie auch Messer oder Beile. So kam es in Polen bei „Hooligan-Kriegen“ zu zahlreichen Todesopfern. Aufgrund dieser Todesfälle und der Brutalität wird damit gerechnet, daß die schlimmsten Schläger aus dem Osten kommen könnten. Massenprügeleien könnten dann am Rande Berlins oder auch im Land Brandenburg stattfinden. Die polnischen Hooligans würden dort auf etwa 1.000 Hooligans der Berliner Szene stoßen. Bisher fürchtete man in Europa vor allem die britischen und holländischen Randalierer. Doch nach den jüngsten Ausschreitungen in der Schweiz wird das Bild unübersichtlicher. Aus Großbritannien werden „Pseudo-Fans“ einreisen. Zwar soll 3.300 Hooligans vor der WM der Reisepaß abgenommen werden, inwieweit das Vorgehen der britischen Behörden Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Jedoch gilt eines als sicher: Zum ersten Spiel ihrer Nationalmannschaft am 10. Juni in Frankfurt am Main gegen Paraguay wollen 100.000 englische Fans anreisen, obwohl nur 10.000 Eintrittskarten haben. Und im ersten WM-Spiel in der Bundeshauptstadt Berlin erwartet Innensenator Ehrhart Körting bei der Partie Brasilien gegen Kroatien bis zu 1.500 Hooligans aus Kroatien. Die deutsche Polizei hat jedoch zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um der Lage Herr zu werden: Am wichtigsten, so wird betont, ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus den teilnehmenden Ländern. In Deutschland gebe es 10.500 „Problemfans“, von denen 6.000 als gewaltbereit polizeibekannt sind. Wegen der Fans der Gruppe B („gewaltgeneigt“) und C („gewaltsuchend“) werde zur WM viel unternommen. Bereits im Mai 2005 beschlossen die Innenminister von Bund und Ländern ein sogenanntes Nationales Sicherheitskonzept mit zahlreichen Maßnahmen. Es soll das ganze polizeiliche Instrumentarium bundesweit genutzt werden; Meldeauflagen, Aufenthaltsverbote und vorübergehende Festnahmen der bekannten Hooligans. Gewalttätern droht Unterbringungsgewahrsam Zur Abschreckung der Szene schritt die Polizei bereits im August vergangenen Jahres zur Tat. Im Vorfeld des Oberligaspiels zwischen Union Berlin und dem BFC Dynamo stürmten 100 Beamte von Spezialeinsatzkommandos aus Berlin, Brandenburg und Niedersachsen die Berliner Diskothek Jeton und „befriedeten“ die rund 600 Besucher derart konsequent, daß selbst der der Hooligan-Szene fernstehende Grünen-Politiker Volker Beck eine „Verhältnismäßigkeit der Mittel“ forderte. Doch das hinderte vergangenes Wochenende eben diese Dynamo-Hooligans nicht, beim Rückspiel den Platz zu stürmen. Die Folge: wüste Schlägereien, Spielabbruch und eine verunsicherte Polizei, die mit 1.000 Einsatzkräften die Lage erst spät unter Kontrolle bekam. „Mir wird angst und bange, wenn ich an die WM denke“, resümierte BFC-Präsident Mario Weinkauf. Unterdessen teilt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Schengen-Partnern die Wiedereinführung von Grenzkontrollen anläßlich der WM in Deutschland mit. Sofern Hooligans somit nicht bereits an der Grenze und auf Flughäfen gestoppt werden, müßten diese noch die Kontrollen um die Stadien herum überwinden. Den Gewalttätern drohe auch ein „Unterbringungsgewahrsam“, das bis zu 14 Tagen dauern könne. Außerdem gibt es Video-Überwachung großer innerstädtischen Plätze; vor allen bei öffentliche Veranstaltungen und im Verkehrswesen, Kreuzungen, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen. Sicherheitskontrollen bei den großen Fan-Festen und Umzäunungen würden durch die Polizei eingerichtet. Alleine zur Absicherung der „Fan-Meile“ auf der Straße des 17. Juni in Berlin werden fünf Kilometer Zaun bereitgestellt. „Wer stören will, soll besser fernbleiben“, warnte Innenminister Schäuble. Für öffentliche Veranstaltungen fordert die GdP zudem Eingangskontrollen und das Verbot des Verkaufs von Glasflaschen. In Berlin wird zudem vorbestraften Hooligans der genetische Fingerabdruck abverlangt. Und zur Abschreckung kündigen zahlreiche Bundesländer an, „kurzen Prozeß“ mit Gewalt-Fans zu machen. Richter und Staatsanwälte werden zusätzliche Bereitschaftsdienste haben, um sofort beschleunigte Verfahren einleiten zu können. Parallel dazu wurde bereits eine Urlaubssperre für mindestens 30.000 im Einsatz befindliche Polizeibeamte verhängt. Nach Schäubles Angaben sollen zudem 2.000 Bundeswehrsoldaten „den reibungslosen Ablauf“ der WM “ unterstützen“. Die Bundesregierung bemüht sich durch ein großes Personalaufgebot, dem Sicherheitsinteresse der wahren Fans und der ausländischen Gäste gerecht zu werden. Auch der niederländische Fußballverband bemüht sich darum, Krawalle zwischen den „Schlachtenbummlern“ zu vermeiden. So werden „Fan-Artikel“, wie der nachgebildete orangefarbene Wehrmachtshelm nun nicht (mehr) geduldet. Stichwort: Hooligan Der Begriff „Hooligan“ stammt aus dem Englischen und wird übersetzt mit Halbstarker oder Rabauke; am ehesten trifft es der Ausdruck Randalierer. Woher die Bezeichnung „Hooligan“ ursprünglich stammt, ist umstritten: Zum einen könnte der Begriff von einer irischen Familie namens „Houliah“ oder „Houligan“ herrühren, die landesweit für ihre gewalttätigen und trinkfesten Mitglieder bekannt war. Alternativ könnte der Name aus „Hooley’s Gang“ entstanden sein, einer Bande jugendlicher Straßenkrimineller.

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