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Hungerstreik für Deutschland

Noch in der letzten Woche haben wir an dieser Stelle den beschämenden Umgang der politischen Klasse mit dem Andenken an den Volksaufstand des 17. Juni 1953 beklagt. Drei Tage später, am 20. Juni frühmorgens um 6 Uhr, rückt ein Rollkommando mit Monteuren unter Polizeischutz am Bundesfinanzministerium in Berlin an. Seit 2003 hingen an den Fassaden des im Dritten Reich als Reichsluftfahrtministerium errichteten, in der DDR als Haus der Ministerien und nun von Finanzminister Hans Eichel genutzten Gebäudes über mehrere Stockwerke riesige Fototafeln, die an die Straßenkämpfe von 1953 erinnerten. Alexandra Hildebrandt, Chefin des privaten Mauermuseums am Checkpoint Charlie und Initiatorin dieser Fotoinstallation, hatte sich trotz Gerichtsbeschlusses geweigert, die Fototafeln wieder abzunehmen zu lassen. Juristisch zwar im Recht, ließ Eichel die Tafeln kurz nach dem 52. Jahrestag trotz massenhafter Proteste von Opferorganisationen in einem bürokratisch-kalten Akt rücksichtslos wieder abmontieren. Dabei hatten sich die Fototafeln nicht nur optisch hervorragend in die Fassade des Ministeriums eingefügt, vor dessen Toren einer der Höhepunkte des 17. Juni stattfand. Sie waren überhaupt das einzige wahrnehmbare und halbwegs würdige Mahnmal für den Aufstand in der Hauptstadt. Das im Boden vor dem Gebäude eingelassene aussagelose und unsichtbare Denkmal von Wolfgang Rüppel erfüllt diese Aufgabe nicht. Es ist eher Sinnbild der verschämten und verklemmten Erinnerungskultur der Gegenwart, die Großes kleinzumachen gedenkt. Bis zuletzt hatte Hildebrandt, die bereits einen heldenmütigen Kampf um das von ihr initiierte Mauerdenkmal mit 1.067 riesigen Holzkreuzen am Checkpoint Charlie führt, Eichel bekniet, die Abnahme der Tafeln abzuwenden. Bisher halbherzig und kaum wahrnehmbar hat die CDU gegen die Geschichtslosigkeit der Bundesregierung protestiert. Seit Montag nun ist der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Carl-Wolfgang Holzapfel (61), vor dem Ministerium in den Hungerstreik getreten für eine Rückname der Entfernung der Bildtafeln. Er fordert alternativ von der Bundes-CDU eine verbindliche Erklärung, daß sie beabsichtigt, nach einer Regierungsübernahme im Herbst für eine Wiederanbringung der Bildtafeln zu sorgen. Bislang steht eine solche Zusage der CDU ebenso aus wie von Eichel. Also hungert Holzapfel weiter. Seit dem 20. Juni, 6 Uhr, liegt der einstige DDR-Häftling mit einer Protesttafel allein mit einem kleinen Sonnenschirm und bedeckt mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne auf dem Boden vor dem Finanzministerium in der sengenden Sonne. Heute waren es 26 Grad im Schatten. Morgen soll es 32 Grad heiß werden. Holzapfel trinkt Wasser, sonst nimmt er nichts zu sich. 24 Stunden rund um die Uhr harrt er dort aus. Es wäre beschämend, wenn er nicht massenhafte Unterstützung bei seinem Protest fände! Anschrift des Bundesfinanzministeriums: Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin, Tel.: 0 18 88 / 6 82 – 0, Fax: 0 18 88 / 6 82- 42 48, E-Post: Poststelle@bmf.bund.de

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