Die Handtücher am Pool

Sie kennen die Situation aus dem Sommerurlaub: Sie haben ein Hotel mit Schwimmbad gebucht. Am ersten Morgen packen Sie nach dem Frühstück Ihre Badesachen, bewaffnen sich mit Ihrer Lieblingslektüre und wollen sich in einen der Liegestühle am Schwimmbecken legen. Als Sie ankommen, ist zwar kein Mensch da, aber auf allen Liegestühlen liegen bereits säuberlich ausgelegt fremde Handtücher. Die alteingesessenen Hotelgäste signalisieren so den Neuankömmlingen, wer hier zu den Platzhirschen zählt. Nur wenig subtiler verhalten sich die alteingesessenen Verlagshäuser, jene Platzhirsche der veröffentlichten Meinung, wenn es – selten genug! – ein Neuankömmling wagt, demonstrativ ausgelegte Handtücher ignorierend, sich am Schwimmbecken des öffentlichen Diskurses aufzuhalten oder sich gar häuslich niederzulassen. So reagieren aktuell in geradezu kindischer Trotzhaltung alteingesessene Presseorgane auf die Tatsache, daß die JUNGE FREIHEIT allwöchentlich, ohne um Erlaubnis zu fragen, selbst bestimmt, mit wem sie Interviews verabredet, daß sie die Gespräche ohne Aufpasser führt, daß die Inhalte auch noch autorisiert gedruckt werden und – oh Schreck, oh Schreck! – diese auch noch für Schlagzeilen sorgen. Angestrengt bemüht sich beispielsweise die Frankfurter Rundschau, im Zusammenhang mit dem seit mehr als zwei Wochen heiß diskutierten JF-Interview mit dem Dramatiker Rolf Hochhuth, die JUNGE FREIHEIT als völlig unbedeutendes Blatt (fehlendes Handtuch am Pool!) hinzustellen – und hält es dennoch merkwürdigerweise für nötig, ihren Lesern dies in einem ellenlangen Artikel ausdrücklich mitzuteilen. In den letzten Monaten sind eine Reihe von Gesprächen der JF heftig diskutiert worden – und das ist gut so. Ob mit Egon Bahr, Peter Glotz, Gottfried Mahrenholz, Rolf Hochhuth oder zuletzt mit Friedhelm Farthmann. Ärgerlich ist es jedoch, wenn man in einem freiheitlichen Land ernsthaft meint, einer Zeitung das Recht absprechen zu müssen, schlichten Journalismus zu betreiben. Interviews zu führen mit wem, wo, wann und über welche Fragen auch immer, gehört zu den ureigensten Aufgaben einer unabhängigen Zeitung. Daß nun mit moralisierendem Tremolo darüber debattiert wird, ob „man“ mit einer – womöglich konservativen – Zeitung ein Gespräch führen darf, reiht sich ein in eine Kette von empörenden Versuchen, das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit durch Maßnahmen im Rahmen öffentlich dekretierter Political Correctness auszuhöhlen. Auch beim in den letzten Wochen diskutierten Hochhuth-Interview plustern sich die Gouvernanten dieser Political Correctness auf und wollen festlegen, wer mit wem, wo und wie über was zu diskutieren hat, wer „moralisch satisfaktionsfähig“ (Süddeutsche Zeitung) ist und wer nicht. Die freiheitliche Demokratie kann manchmal sehr anstrengend sein, fürwahr. Funktioniert sie nämlich, dann ist man gezwungen, zu ertragen, daß sich abweichende Meinungen auch öffentlich artikulieren können. Diese Zeitung kämpft dafür, daß dies so bleibt. Lesen Sie hierzu auch unsere Berichterstattung auf der Seite 8

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