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Thomas Drake: „Die USA wurden zum Polizeistaat gemacht“

Die JF sprach als erste deutsche Zeitung mit NSA-Aussteiger Thomas Drake BERLIN/WASHINGTON.

Die US-Regierung hat laut eines früheren hochrangigen US-Geheimdienstmitarbeiters nach dem 11. September einen Polizeistaat geschaffen, der „weit über die Grenzen der verfassungsmäßigen Ordnung“ hinausgeht. Sie habe so „die Verfassung verraten“, erklärt Thomas Drake, ehemals Leitender Angestellter des US-Nachrichtendienstes National Security Agency (NSA), im Interview mit der morgen in Berlin erscheinenden Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT.

Der Nachrichtendienst NSA habe eine Überwachungstechnologie entwickelt, die „wie ein großes Monster in unser aller Leben“ schlüpfe. Dabei handle es sich um eine „Rasterfahndung im ganz großen Stil“, bei der „gewaltige Mengen von Daten“ gesammelt und gespeichert würden. Die NSA erstelle so ohne richterlichen Beschluß „ein Archiv unseres Lebens“. Die Stasi würde „wohl vor Freude sabbern, wenn sie die gleichen Mittel gehabt hätte, über die heute die NSA verfügt“, meint Drake.

In den USA sollte Drake, der beim NSA die Geheimhaltungsstufe „Top Secret“ erhielt, als Staatsfeind angeklagt werden. „Wenn ich jemanden verraten habe, dann nicht mein Land, sondern ein paar inkompetente Bürokraten. Nicht ich, sondern die Errichtung eines Polizeistaat-Leviathans und eines Sicherheitsregimes sind die gegenwärtige Bedrohung für die amerikanische Verfassung“, so Drake.

Thomas Drake war Analyst bei der CIA und arbeitete später als Leitender Angestellter des US-Nachrichtendienstes „National Security Agency“ (NSA), bevor er von der US-Regierung der Spionage angeklagt wurde. Ab 2005 gab er heimlich interne Papiere an die Presse weiter. Alle wichtigen amerikanischen Medien berichteten über den Fall. In Deutschland äußert sich Drake jetzt erstmals öffentlich – in der JUNGEN FREIHEIT.

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