BERLIN. Während der Berliner Verfassungsschutz die Abteilung für Linksextremismus aufgelöst und das Thema im Referat Spionageabwehr und auslandsbezogenen Extremismus angesiedelt hat, sehen die Deutschen in Antifa und Co. zunehmend ein Risiko. Laut einer Insa-Umfrage, deren detaillierte Ergebnisse der JUNGEN FREIHEIT vorliegen, meinen inzwischen 41 Prozent, diese gefährdeten die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO).
Das sind genauso viele bzw. wenige wie diejenigen, die den Islamismus als Gefahr nennen. Mit 51 Prozent steht der Rechtsextremismus an der ersten Stelle. „Daß die Mitte der Gesellschaft die FDGO gefährdet, meinen nur zwölf Prozent“, ergänzt Insa-Chef Hermann Binkert die Ergebnisse. Mehrfachnennungen waren möglich.
Auffällig: Deutlich weniger Frauen (35 Prozent) als Männer (46 Prozent) sehen im Linksextremismus eine Bedrohung. Ähnlich ist es auch beim Islamismus (36 zu 46 Prozent). Erheblich mehr ängstigt die Frauen der Rechtsextremismus (49 Prozent). Männer nennen ihn zu 53 Prozent.
Mit dem Alter wächst Angst vor Rechts- und Linksextremismus
Je älter die Deutschen sind, desto mehr sehen sie im Linksextremismus eine Gefahr. Während die 18 bis 29 Jahre alten Befragten ihn nur zu 31 Prozent nennen, sind es bei den über 70jährigen mit 46 Prozent die meisten.

Insgesamt sind die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern inklusive Berlin (45 Prozent) für das Thema mehr sensibilisiert als die Westdeutschen (40 Prozent). Sie sind auch die einzigen, die häufiger den Linksextremismus als Bedrohung benennen als den Rechtsextremismus (45 zu 44 Prozent). In Westdeutschland ist es umgekehrt: Rechtsextremismus 52, Linksextremismus 40 Prozent.
Mitentscheidend für die Einschätzung, von welchen Extremisten die größte Bedrohung ausgeht, ist der politische Standort. Diejenigen, die sich „links der Mitte“ verorten, nennen zu 76 Prozent den Rechtsextremismus, zu 27 Prozent den Islamismus und zu 22 Prozent den Linksextremismus.
30 Prozent der Rechten sehen Gefahr durch Rechtsextremisten
Etwas weniger, aber immer noch relativ einseitig äußern sich die Befragten „rechts der Mitte“: Rechtsextremismus: 30 Prozent, Islamismus: 63 Prozent, Linksextremismus: 65 Prozent. Die Befragten „in der Mitte“ erkennen im Rechtsextremismus zu 54 Prozent, im Islamismus zu 42 Prozent und im Linksextremismus zu 43 Prozent eine Gefahr.

Insa-Chef Binkert hebt die Reflexion der Befragten für die Extremismen von den Rändern der eigenen politischen Lager hervor: „Bei allen Unterschieden, zum Beispiel zwischen den Altersgruppen und der politischen Selbstverortung, kann festgehalten werden, daß es eine breite Sensibilität für die Gefährdungen gibt. 30 Prozent derjenigen, die sich rechts der Mitte verorten, sehen eine Gefährdung durch den Rechtsextremismus. 22 Prozent, die sich links der Mitte verorten, sehen eine Gefahr durch den Linksextremismus, und mit 17 Prozent stellen die Befragten, die sich selbst in der Mitte verorten, den höchsten Wert bei denjenigen, die die Mitte der Gesellschaft als Gefährdung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung sehen.“

Insa führte die Umfrage vom 9. bis 12. Januar durch, kurz nachdem ein verheerender Angriff von Linksextremisten auf die kritische Infrastruktur der Hauptstadt Schlagzeilen machte (die JF berichtete ausführlich).
Felser kritisiert Linke und Grüne
Der AfD-Abgeordnete Peter Felser kommentierte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT die Ergebnisse so: „Spätestens seit dem Terroranschlag auf das Berliner Stromnetz steigt in der Bevölkerung das Bewußtsein für die Gefahr durch Linksextremismus.“ In dem Zusammenhang kritisierte er auch die Linken-Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek. Diese habe „offenbar keinen Zugang zu den aktuellen Nachrichten“. Denn sie halte die Frage nach den Verursachern für „nicht geklärt“.
Auch die „Anweisung“ der Berliner Grünen, die politische Motivation der Strom-Attentäter nicht öffentlich zu thematisieren, zeige nicht nur „die ganze linke Verlogenheit – sondern auch, daß die Bürger richtig liegen, wenn sie dem eigenen Gespür für die steigende Gefahr trauen“. (fh)





