Aprilscherze haben eine jahrzehntelange Tradition in deutschen Zeitungen und im Fernsehen. Auch die JF schickt ihre Leser jedes Jahr in den April. Gestern haben wir es mit der Geschichte „Bundestagspräsidium beschließt: AfD-Abgeordnete dürfen im Bundestag keine Reden mehr halten“ versucht.
Wer den Artikel genau gelesen hat, konnte mit etwas Glück erkennen, daß es ein Scherz war. Denn es tauchten kleine Hinweise auf. Da war zunächst die Sprecherin des Bundestagspräsidiums mit dem Phantasienamen „Díadelos Inocentes“. Der spanische Name für „Aprilscherztag“ bedeutet „Día de los Inocentes“. Etwas eindeutiger wurde es beim erfundenen neuen Fraktionsgeschäftsführer der Unions-Fraktion, „Stultus Dies-Aprilis“ – der lateinische Begriff für Aprilscherz.
Sicher: Bei den vielen ungewöhnlichen Namen, die uns heute begegnen, ging das wohl bei einigen unter. Und ganz ehrlich: Auch der Autor dieser Zeilen wußte vorher nicht, was auf Spanisch und Latein Aprilscherz bedeutet. Um unsere Leser nicht total ahnungslos in den April zu schicken, haben wir die beiden Personen jeweils mit dem Google-Übersetzer verlinkt, wo sofort die Auflösung wartete. Aber wer klickt schon alle Links in den Artikeln an?
Aprilscherz in den sozialen Medien
Hinweise haben wir also gegeben, aber natürlich etwas versteckt. Denn Bedingung für einen guten Aprilscherz ist ja bekanntermaßen, daß man den anderen aufs Glatteis führt. Mit der Nummer, daß Friedrich Merz Alice Weidel zur Innenministerin macht, wäre uns das vermutlich nicht so gut gelungen wie in diesem Fall.
In den sozialen Medien teilten viele Menschen voller Empörung über die vermeintlich neue Ausgrenzung der AfD unseren Artikel. Allein bei X erreichte der Tweet mit unserem Aprilscherz eine Reichweite von mehr als 130.000, und er wurde rund tausend Mal geteilt. Aber so ein Scherz hat auch eine Kehrseite: Viele Leser schrieben uns, daß sie bei der Lektüre dem Herzinfarkt nahe gewesen seien und der Blutdruck in ungeahnte Höhen schnellte. Das hatten wir so nicht bedacht, und das tut uns leid.
Und wir hatten auch nicht daran gedacht, daß sogar der AfD-Abgeordnete Peter Felser einen eigenen Tweet mit eigenem Meme daraus machen könnte. Als Betroffener hätte der Politiker, der seit 2017 im Bundestag sitzt, eigentlich wissen müssen, daß dies ein Witz war. Ob er seine Follower auch in den April schicken wollte? Wir sind uns da nicht so sicher …

So entstand die Idee
Aber wie kam es zu der Idee? Zum einen war da die Einberufung des abgewählten und vom Bundespräsidenten aufgelösten Bundestages, mit dem die selbsternannten „demokratischen Parteien der Mitte“ am demokratischen Votum vorbei verhängnisvolle Grundgesetzänderungen durchpeitschen.
Und natürlich spielte die Ausgrenzung der zweitstärksten Fraktion im Parlament die zweite Hauptrolle. Kein Vizepräsident, kein Alterspräsident, keine finanzielle Förderung der parteinahen Stiftung und wahrscheinlich auch keine Ausschußvorsitze. All das steht der Partei laut Geschäftsordnung und Gesetzen eigentlich zu.
Wie können wir all diese Tricksereien am 1. April auf die Spitze treiben und damit die Brandmauer karikieren und lächerlich machen, fragten wir uns.
Die Geschäftsordnung des Bundestages
Sofort geisterten einige Ideen durch die Redaktion. Das Rennen machte schließlich die Geschichte, daß das Bundestagspräsidium grundsätzlich keine Reden von AfD-Abgeordneten mehr zuläßt. Denn dafür gäbe es real eine Grundlage. Und zwar wieder mal in der Geschäftsordnung des Bundestages, die sonst keine Anwendung findet, wenn die anderen Parteien die AfD ausgrenzen wollen.
In Paragraph 27 heißt es tatsächlich: „Ein Mitglied des Bundestages darf nur sprechen, wenn ihm der Präsident das Wort erteilt hat.“ Das also war gar nicht erfunden. Was, wenn das Präsidium sich hartnäckig und generell weigert, AfD-Abgeordneten das Rederecht zu erteilen? Der Gedanke reifte, die Geschichte wurde geschrieben.
Den „demokratischen Parteien“ den Spiegel vorhalten
Auch nicht erfunden sind die Zitate der CDU-Abgeordneten Serap Güler. Nach der konstituierenden Sitzung sagte sie: „Ich finde es ein bißchen bedrückend, die lange Sitzreihe der AfD zu sehen, wenn man reinkommt.“ Und daß zuerst der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann, das Wort in der Geschäftsordnungsdebatte hatte, sei aus ihrer Sicht „befremdlich gewesen“. Was könnte der Bundestag gegen diese „psychische Belastung“ (von uns erfunden) tun? Eben … So entsteht ein Aprilscherz, der nahe an der Wirklichkeit surft.
Wir hoffen, Sie, liebe Leser, nehmen uns das nicht übel. Denn der Text sollte in erster Linie – frei nach Til Eulenspiegel – jenen Politikern und Parteien den Spiegel vorhalten, die 10,3 Millionen Wähler ignorieren und dann noch höhnisch sagen: „Das ist unsere Demokratie.“ Nie war ein besitzanzeigendes Fürwort entlarvender. Dagegen richtete sich unser Aprilscherz.