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Internet: BKA-Meldestelle leitet zunehmend Fälle von „Politikerbeleidigung“ weiter

Internet: BKA-Meldestelle leitet zunehmend Fälle von „Politikerbeleidigung“ weiter

Internet: BKA-Meldestelle leitet zunehmend Fälle von „Politikerbeleidigung“ weiter

Das Foto zeigt ein Smartphone mit dem Schriftzug „Haß und Hetze“ und soll die Arbeit der Meldestellen in Deutschland symbolisieren.
Das Foto zeigt ein Smartphone mit dem Schriftzug „Haß und Hetze“ und soll die Arbeit der Meldestellen in Deutschland symbolisieren.
„Haß und Hetze“: Meldestellen spielen in Deutschland eine immer größere Rolle. Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg
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BKA-Meldestelle leitet zunehmend Fälle von „Politikerbeleidigung“ weiter

Seit 2022 arbeitet beim BKA eine zentrale Meldestelle, die strafbare Inhalte im Netz an die Strafverfolgungsbehörden weitergibt. Nun zeigt eine Auskunft der Bundesregierung, daß es dabei zuletzt immer häufiger um sogenannte Politikerbeleidigungen ging.
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WIESBADEN. Die Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet des Bundeskriminalamts (ZMI BKA) hat innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre immer mehr Äußerungen im Netz als potentiellen Verstoß gegen Paragraph 188 des Strafgesetzbuches („Politikerbeleidigung“) markiert und an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Martin Renner hervor.

Renner hatte umfangreiche Auskunft über die Arbeit der ZMI erbeten. Die Meldestelle ist seit dem 1. Februar 2022 aktiv und hat sich auf die Fahnen geschrieben, „konsequent gegen Haß und Hetze im Netz“ vorzugehen. Sie arbeitet dafür mit verschiedenen Organisationen wie der Meldestelle „REspect!“ und staatlichen Institutionen zusammen. Diese melden verdächtige Inhalte an die ZMI, die die Äußerungen auf ihre Strafbarkeit prüft und dann an Behörden zur weiteren Strafverfolgung übergibt.

Die meisten Inhalte werden als „rechts“ eingestuft

Und dabei ging es zuletzt immer häufiger um sogenannte „Politikerbeleidigung“. Notierte die ZMI im ersten Quartal 2024 noch 468 Fälle nach Paragraph 188 Strafgesetzbuch, die sie an die Strafverfolgungsbehörden übergab, waren es im ersten Quartal 2025 bereits 1.690 Fälle und im zweiten Quartal 1.528 Fälle. Das entspricht einem Plus von fast 250 Prozent. Insgesamt sind im ersten Halbjahr 2025 schon mehr entsprechende Fälle zusammengekommen als im gesamten Vorjahr.

Die Fälle von Politikerbeleidigungen nahmen zuletzt auch einen immer größeren Anteil an allen von der ZMI weitergeleiteten Fällen ein. Im zweiten Quartal 2025 machten sie 44,7 Prozent aus; im ersten Quartal 2024 waren es noch 16,3 Prozent gewesen. Derweil sank die Zahl der weitergeleiteten volksverhetzende Beiträge im selben Zeitraum von 778 auf 344. Die weitergegebenen Fälle des Verwendens verfassungswidriger Symbole haben ebenfalls abgenommen.

Schlüsselt man die Hinweise, die die ZMI ihrerseits von ihren Zuträgern erhält, nach den Phänomenbereichen auf, so ergibt sich für den Zeitraum vom Juni 2021 bis zum Juli 2025 eine deutliche Schlagseite: In 22.957 Fällen ordnete die ZMI die an sie herangetragenen Beiträge nach einer Ersteinschätzung als rechts ein. Erst mit weitem Abstand folgen Zuordnungen zu ausländischen Ideologien (3.120 Fälle), zu religiösem Extremismus (514 Fälle) und zu linkem Extremismus (233 Fälle). 19.037 Fälle wurden dem Phänomenbereich „sonstige“ zugeschrieben.

Bestimmte Meldestellen stechen als Zuträger heraus

Interessant ist auch der Blick darauf, welche Stellen bei der Übermittlung verdächtiger Inhalte an die ZMI dominieren. In ihrer Antwort benennt die Bundesregierung insgesamt fünf konkrete Zuträger. Dabei stechen aber zwei besonders heraus. Denn zwischen dem ersten Quartal 2024 und dem zweiten Quartal 2025 gingen insgesamt 16.864 Meldungen an die ZMI allein auf die Meldestelle „HessenGegenHetze“ zurück. Das entspricht einem Anteil von 45,8 Prozent. Anschließend folgt die Meldestelle „REspect!“ mit 13.875 übermittelten Fällen; das sind 38,5 Prozent.

AfD-Parlamentarier Renner schaut kritisch auf diese Ergebnisse. In den Zahlen zeige sich „eine erschreckende Schieflage“, sagte er der JUNGEN FREIHEIT. Daß die an die ZMI gemeldeten Inhalte aus dem Bereich „rechts“ solche aus dem linken Phänomenbereich nahezu um den Faktor 100 überstiegen, könne nicht mit der Realität im Netz übereinstimmen. „Das ist keine zufällige Verzerrung“, ist sich Renner sicher. „Es ist eine klare Einseitigkeit, die offensichtlich bewußt in Kauf genommen wird.“

Der Politiker kritisiert auch, daß die Meldestellen „REspect!“ und „HessenGegenHetze“ als Zuträger an die ZMI quantitativ stark herausstechen. „Damit prägen genau diese Stellen die statistische Grundlage nahezu allein.“ Wer die Zahlen lese, lese damit „vor allem das Bild, das diese wenigen Akteure erzeugen“. (ser)

„Haß und Hetze“: Meldestellen spielen in Deutschland eine immer größere Rolle. Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg
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