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Maas
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Usbekistan Foto: picture alliance / photothek | Felix Zahn

Außenminister
 

Maas will 70.000 Afghanen nach Deutschland holen

BERLIN. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat den in Afghanistan verbliebenen Ortskräften und anderen Helfern versprochen, Deutschland werde sie nicht im Stich lassen. Die Bundesregierung werde ihr Schutzversprechen einlösen und bis zu 70.000 gefährdete Afghanen nach Deutschland holen, sagte Maas laut Spiegel bei einem Besuch in der Türkei.

Der SPD-Politiker ist zu einer dreitägigen Reise aufgebrochen, um über das weitere Vorgehen in der Afghanistan-Krise zu beraten. Dabei sind auch Gespräche in Katar vorgesehen. Das Emirat verfügt über gute Kontakte zu den Taliban.

Zu den Afghanen, die laut Maas noch evakuiert werden sollen, zählen dem Bericht nach neben früheren Ortskräften auch Journalisten und Personen, die sich für die Menschenrechte am Hindukusch engagiert hätten.

Zwar sei der Einsatz der Bundeswehr seit dem Wochenende beendet, die Rettungsmission insgesamt sei aber noch nicht vorbei. „Wir wollen die Hilfsaktion fortsetzen“, versicherte Maas. „Sie tritt jetzt aber in eine zweite Phase.“

Fragliche Umsetzung

Die zugesicherte Hilfe gelte für etwa 10.000 Afghanen, die in der Vergangenheit in Deutschlands Diensten gestanden hätten. Hinzu kämen 1.600 „Aktivisten und Journalisten, die die Rache der Taliban fürchten müssen“, schreibt das Magazin. „Rechnet man jeweils die engste Familie dazu, wären das etwa 70.000 Personen.“ Maas versprach: „Unsere Arbeit geht so lange weiter, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen.“

Wie dies gelingen soll, ist dem Bericht nach noch unklar. Zur Option stehen die Möglichkeiten, daß der zivile Flugbetrieb in der afghanischen Hauptstadt wieder aufgenommen werde oder daß die Ortskräfte über Nachbarländer wie Pakistan und Usbekistan nach Deutschland ausreisen. Beide Varianten gelten jedoch bislang als unwahrscheinlich oder schwierig. Der Flughafen ist stark beschädigt und es gibt kein geeignetes Personal. Die Durchreise der Ortskräfte in die Nachbarländer würde sich wegen zahlreicher Taliban-Posten, die sie dabei passieren müßten, ebenfalls als problematisch gestalten.

Maas sieht sich seit dem Fall von Kabul mit dem Vorwurf konfrontiert, er hab zu spät reagiert und die Lage falsch eingeschätzt. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der JUNGEN FREIHEIT ergab, sprechen sich viele Deutsche deshalb für seinen Rücktritt aus. (krk)

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Usbekistan Foto: picture alliance / photothek | Felix Zahn
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